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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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ſehr, ſehr arm Oheim Kettenträger, Frank und ich wir Alle miteinander haben Nichts.

Dieß ſagte ſie nicht im Tone der Verzweiflung, ſondern mit einer Aufrichtigkeit, die ich ausnehmend rührend fand.

Frank wenigſtens ſollte Etwas haben, erwiederte ich;Ihr ſagt mir, er ſei beim Heere geweſen.

Er war zuletzt Kapitän, aber was bekam er dafür? Wir beklagen uns nicht über das Land, Keines von uns, weder mein Oheim, noch mein Bruder, noch ich; denn wir wiſſen, es iſt arm wie wir, und ſelbſt ſeine Armuth hat Aehnlichkeit mit der unſrigen, der Armuth von heruntergekommenen Leuten. Ich fiel lange meinen Freunden zur Laſt, und es gab Schulden zu bezahlen. Hätte ich das wiſſen können, es hätte nimmermehr geſchehen dürfen. Jetzt kann ich Denjenigen, welche dieſe Verbindlichkeiten berichtigt haben, es nur dadurch erſetzen, daß ich mit ihnen in die Wildniß gehe. Es iſt etwas Schreckliches für eine Frau, Etwas ſchuldig zu ſein.

Aber Ihr ſeid doch in dieſem Hauſe geblieben? Ihr ſeid doch hoffentlich nicht mit in der Hütte zu Mooſeridge geweſen?

Ich bin gegangen, wohin mein Oheim Kettenträger gegangen iſt, und werde mit ihm gehen, ſo lange wir Beide leben. Nichts ſoll uns je wieder trennen. Seine Jahre fordern dieß, und zu meiner Liebe geſellt ſich noch die Dankbarkeit. Frank könnte viel⸗ leicht etwas Beſſeres thun, als um den geringen Lohn arbeiten, den er bekommt; aber er will uns nicht verlaſſen. Die Armen lieben einander am innigſten.

Aber ich habe Euren Oheim gebeten, ſich dieſes Hauſes zu bedienen, und um Euretwillen, ſollte ich meinen, könnte er das An⸗ erbieten wohl annehmen.

Wie konnte er, wenn er zwanzig Meilen weit von hier die Kette zu tragen hatte? Wir ſind gelegentlich einige Tage hier ge⸗ weſen; aber die Arbeit mußte verrichtet werden, und zwar an Ort und Stelle ſelbſt.