Druckschrift 
Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

212

nauer kennen lernte, wurde mir Alles klar genug; aber in jenem Augenblick war ich ein Wenig überraſcht.

Seid ganz ruhig meinetwegen, Miß Malbone

Warum nennt Ihr mich nicht jetzt gleich dus? Binnen acht Tagen werdet Ihr das doch thun, wie Jedermann ſonſt hier; und es iſt beſſer, unſere Bekanntſchaft ſo anzufangen, wie ſie, das weiß ich gewiß, endigen wird. Oheim Kettenträger nennt mich Dus; Frank nennt mich Dus; die meiſten Eurer Anſiedler nennen mich Dus, ſelbſt in's Geſicht; und ſogar unſere Schwarzen nennen mich Miß Dus. Ihr könnt doch nicht etwas ganz Beſonderes haben wollen!

Ich will recht gerne mir die Freiheit nehmen, Euch Urſula zu nennen, aber Dus gefällt mir nicht.

Nicht! ich habe mich ſo daran gewöhnt, von allen mei⸗ nen Freunden Dus genannt zu werden, daß es mir ganz fremd vorkommt, wenn man mich mit einem andern Namen anredet. Scheint Euch Dus nicht ein hübſches Diminutivum?

Bisher nicht, ich muß es geſtehen; doch hängen alle dieſe Dinge von zufälligen Ideenaſſociationen ab. Dus Malbone lautete ganz gut im Munde von Priseilla Bayard; aber ich fürchte, im meinigen würde es minder lieblich lauten.

Thut, wie es Euch gefällt aber nennt mich nicht Miß Urſula oder Miß Malbone. In früheren Zeiten würde es mir mißfallen haben, wenn irgend ein Mann mich nicht ſo angeredet hätte; aber jetzt klänge es mir faſt wie ein Spott, da ich weiß, daß ich nur die Hausgenoſſin und Haushälterin eines armen Ket⸗ tenträgers bin.

Und doch ſteht es der Eigenthümerin dieſes Silbers, der Lady, die ich an dieſem Tiſch, in dieſem Zimmer ſitzen ſehe, gar nicht übel an, als Miß Urſula ſich anreden zu laſſen!

Ihr kennt die Geſchichte des Silbers, und der Tiſch und das Zimmer ſind Euer. Nein Mr. Littlepage, wir ſind arm