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daß meine herzlichſten Wünſche für ſeinen Erfolg ſind. Es fiel mir ein, daß Ihr ein höchſt furchtbarer Rival werden könntet; und dieß ſtellt ſich mir nicht unwahrſcheinlicher dar, nachdem ich weiß, daß Eure Familien durch eine Heirath werden näher verknüpft werden.“
„Seid unbeſorgt meinethalb, denn mein Herz iſt ſo unverſehrt, wie am Tage, wo ich die Lady das erſte Mal ſah.“
Ein Blitz des Verſtändniſſes— ein höchſt vielſagender Strahl — flog über das ſchöne Antlitz meiner Geſellſchafterin; und dann folgte ein trauriges, obwohl, wie mir auch jetzt noch ſchien, nicht ganz mißvergnügtes Lächeln.
„Das ſind Dinge, von welchen man wohl thut, nicht viel zu ſprechen,“ ſagte Dus nach einer Pauſe.„Mein Geſchlecht hat ſeine eigenthümlichen Rechte, und keine Frau ſollte die mißachten. Ihr ſeid glücklich geweſen, Mr. Littlepage, daß Ihr alle Eure Pächter verſammelt gefunden, ſo daß Ihr ſie Alle auf Einen Blick ſehen und überſehen konntet.“
„Ich bin in der That in einem gewiſſen Sinne glücklich ge⸗ weſen, und ein entzückender Willkomm wurde mir auf der Anſied⸗ lung— ein Willkomm, deſſen Wiederholung zulieb ich gerne wieder hundert Meilen weit reiſen würde.“
„Seid Ihr denn ein ſo großer Freund vom Aufſchlagen?— oder liebt Ihr wirklich die Aufregung in dem Maße, daß Ihr gern unter eine Falle kommt, wie die armen Rebhühner, welche mein Oheim zuweilen fängt?“
„Ich denke nicht an das Aufſchlagen und an das Gerüſte: obwohl Euer Muth und Eure Geiſtesgegenwart wohl Beides meinem Geiſte unauslöſchlich einprägen dürfte;“ Dus ſchaute zu Boden und das Blut ſtieg ihr bis zu den Schläfen—„ſondern ich dachte an ein gewiſſes Lied, ein indianiſches Lied, nach einer ſchottiſchen Me⸗ lodie geſungen, das ich einige Meilen vor den Lichtungen hörte, und welches der eigentliche Willkomm und die Verheißung für mich
Der Kettenträger. 14


