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„Priscilla Bayard iſt mir ſehr theuer, und ſie iſt wohl werth aller Eurer Liebe und Bewunderung—“
„Bewunderung, wenn es Euch beliebt, und ſo viel Euch be⸗ liebt, Miß Urſula; aber ein ſolches Gefühl wie Liebe beſteht bis jetzt wenigſtens ganz gewiß nicht zwiſchen Miß Bayard und mir.“
ganz Wahrhaftigkeit, ſchenkte meinen Worten unbedingten Glau⸗ ben; und ich konnte nicht umhin, zu ſehen, daß ſie ſich um eine unerklärliche Beſorgniß erleichtert fühlte. Doch lächelte ſie etwas ſchalkhaft und vielleicht etwas trübe, als ſie fortfuhr:
„Bis jetzt wenigſtens ganz gewiß nicht, iſt ein ſehr zweideu⸗ tiger Ausdruck von Eurer Seite, wenn es ſich von einem jungen Frauenzimmer wie Priscilla Bayard handelt. Das kann ſich in einem Augenblick in ein: Jetzt ganz gewiß! verwandeln!“
„Ich will das nicht beſtreiten. Miß Bayard iſt ein reizendes Geſchöpf— und doch, ich weiß nicht, wie es iſt, aber es ſcheint
ein Verhängniß in dieſen Dingen zu walten. Das eigenthümliche
Verhältniß, auf welches ich anſpielte, und zwar auf eine ſo unge⸗ ſchickte, linkiſche Art, iſt nichts weiter, als die Verlobung meiner jüngeren Schweſter mit ihrem Bruder. Dieſe Verlobung iſt kein Geheimniß, und daher will ich mir auch keine Mühe geben, ſie ge⸗ heim zu halten.“
„Und dieß Verhältniß iſt gerade von der Art, daß es zu einem ähnlichen zwiſchen Euch und Priscilla führen könnte!“ rief Dus, mit unverkennbarer Unruhe.
„Es kann und kann auch nicht, je nachdem die Betheiligten ſolche Dinge anſehen. Bei Perſonen von gewiſſer Gemüthsart könnte es Reiz und Sporn ſein, bei anderen aber vielleicht eher das Gegentheil.“ 3
„Mein Intereſſe an der Sache,“ fuhr Dus fort,„hat ſeinen Grund ganz und gar in dem Umſtand, daß ich weiß, es hat ſich
ein Anderer um Miß Bayard beworben; und ich will geſtehen,
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