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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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oder die Lady bezeichnen. Die Zeit iſt vorbei, und ich hoffe für immer, wo der bloße Zufall der Geburt über Anſprüche dieſer Art zu entſcheiden hatte; obgleich der Zufall der Geburt allerdings ſehr leicht und häufig die Eigenſchaften bedingt und erzeugt, welche in der That den unterſcheidenden Charakter der höher gebildeten Klaſſe ausmachen. Ich für meinen Theil glaube nicht an die Uebertrei⸗ bungen der beiden Extreme, welche ihre Theorien über dieſen Ge⸗ genſtand ſo hartnäckig behaupten; ich glaube, daß ein Gentleman nicht ausſchließlich durch die Geburt es wird und werden kann, einerſeits, und andererſeits, daß die ſtrenge Sittlichkeit der Bibel keineswegs eine unerläßliche Eigenſchaft dieſes Charakters iſt. Es kann Einer ein ganz vollkommener Gentleman ſein, und dabei ganz und gar nicht ein vollkommener Menſch oder ein Chriſt; und er kann ein ſehr guter Chriſt und ganz und gar kein Gentleman ſein. Es iſt wahr, es beſteht ein inneres Band und ein Zuſammenhang im Weſen und Benehmen zwiſchen dem Chriſten und dem Gentle⸗ man als Reſultat; aber nur im Reſultat und nicht in den Mo⸗ tiven. Daß das Chriſtenthum wenig nothwendigen inneren Zu⸗ ſammenhang hat mit dem Charakter eines Gentleman, kann man aus dem Umſtand erſehen, daß die Dogmen des erſteren uns an⸗ weiſen, Demjenigen, der uns auf den rechten Backen ſchlägt, den linken auch darzubieten, während der Grundſatz des Gentleman iſt nicht die Schmach im Blute des Beleidigers abzuwaſchen, ſondern zu zeigen, daß er eher bereit iſt, ſein Leben auf's Spiel zu ſetzen, als ſich ſo Etwas ruhig gefallen zu laſſen*).

*) Mr. Mordaunt Littlepage ſcheint die einzige ſcheinbare Entſchuldigung in's Auge gefaßt zu haben für einen Brauch, welcher in Zeiten aufkam, wo Mißhand⸗ lungen und Veſchtupſingen nur durch die Stärke des Armes konnten geahndet wer⸗ den, und der in unſeren Tagen in ein Syſtem der ärgſten Chikane und der ärmlich⸗ ſten Kniffe ausartet. Der Duellant, der bei ſeinen Uebungen mit Sicherheit einen Thaler trifft, und dann ſeinen Mann verfehlt, läßt, ſtatt ſeine Ritterlichkeit zu be⸗ währen, nur die Welt einen Blick in das Geheimniß thun, daß die Stärke und Feſtigkeit ſeiner Nerven ſeiner Uebung auf dem Schießplatze nicht gleich kommt. Es lag etwas ſo Achtbares, als es nur irgend gedacht werden kann, in Verbindung mit