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daß Andries Sklaven hatte, ſein einziger Beſitz in der That außer ſeinem Kompaß, ſeinen Meßketten und ſeinem Schwert, wozu etwa noch einige Waffen und einige grobe Haushaltungsſtücke kommen mochten; und dieſe Sklaven, alt und verwittert, wie ſie nunmehr ſein mußten, erſparten vermuthlich ſeiner Nichte die Verrichtung von Arbeiten und Dienſtleiſtungen, welche ſich nur für das Ge⸗ ſinde eignen.
Obgleich ich ſo die Hand von Urſula Malbone gewann, konnte ich doch ihr Auge nicht gewinnen. Sie wandte das Geſicht nicht weg, ſie heuchelte auch keine Kälte, aber ſie war nicht unbefangen und behaglich. Ich konnte leicht wahrnehmen, daß es ihr lieber geweſen wäre, wenn ihr Oheim geſtattet hätte, daß die Begrüßung ſich auf Verbeugungen und Knixe beſchränkt hätte. Da ich das Mädchen nie zuvor geſehen, und daher Nichts hatte thun können, ſie zu beleidigen, ſchob ich Alles auf falſche Scham und auf eine Verlegenheit, natürlich genug bei einem Weſen, das ſich in eine Lage verſetzt fand, ſo weſentlich verſchieden von derjenigen, in welcher ſie vor Kurzem ſich befunden. Ich verbeugte mich auf ihre Hand, gab ihr vielleicht einen leiſen Druck, um dem Mädchen Sicherheit und Zuverſicht einzuflößen, und wir ließen einander wieder los.
„Nun, Dus, habt Ihr eine Taſſe Thee fuͤr den Grundherrn— ihn in ſeinem eigenen Hauſe damit zum Willkomm zu bewirthen?“ fragte Andries, vollkommen zufrieden mit dem anſcheinend ſo freund⸗ ſchaftlichen Verhältniß, das er zwiſchen uns begründet zu haben glaubte.„Der Major hat einen für Friedenszeiten langen Marſch gemacht und würde wohl gern einige Erquickung einnehmen.“
„Ihr nennt mich Major, Kettenträger, während Ihr für Eure Perſon Euch weigert, denſelben Titel anzunehmen.“
„Ja, dazu habe ich auch Grund genug. Ihr könnt es wohl erleben, General zu werden; Ihr werdet wahrſcheinlich einer ſein, ehe Ihr dreißig Jahre alt werdet; aber ich bin jetzt ein alter
Der Kettenträͤger. 13


