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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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der Kettenträger, indem er eine Thüre aufſtieß, und mir bedeutete hineinzutreten.Geht hinein und ſchüttelt dem Mädel die Hand, Mordaunt; ſie kennt Euch ſchon ganz gut, Namen und Natur, wie Einer ſagen könnte.

Ich trat hinein, und erblickte ein paar Schritte mir gegenüber das ſchöne Mädchen mit den goldnen Haaren von der Scene des Hausaufſchlagens, ſie, die uns Alle gerettet hatte, daß das Zimmerholz uns nicht erſchlug, durch eine Entſchloſſenheit und Raſchheit des Handelns, welche ebenſo von Muth wie von Gewandt⸗ heit zeugte. Sie trug dieſelbe Kleidung, in welcher ich ſie zuerſt geſehen, obgleich die Verſchiedenheit der Beſchäftigung und Umge⸗ bung allerdings ihrem Weſen und Ausdruck einen ganz anderen Charakter lieh. Urſula Malbone war jetzt ruhig beſchäftigt eines der groben, gewürfelten Taſchentücher zu ſäumen, deren ſich zu be⸗ dienen ihren Oheim ſeine Armuth nöthigte, oder doch veranlaßte, und dergleichen ich eines erſt noch vor einer Minute in ſeinen Hän⸗ den geſehen hatte. Bei meinem Eintreten ſtand ſie auf, und erwie⸗ derte ernſt aber nicht unhöflich meine Verbeugung mit einem tiefen Knix. Keines von Beiden ſprach, obgleich die Grüße getauſcht wur⸗ den wie zwiſchen Perſonen, welche keiner gegenſeitigen Vorſtellung bedürfen, um einander zu kennen.

Ei wie! begann jetzt der alte Andries mit ſeinem ſtärkſten holländiſchen Accent,das iſt wahrhaftig nicht die rechte Art zwi⸗ ſchen zwei ſo alten Freunden. Komm her, Dus, Mädel, und gieb deine Hand Mordaunt Littlepage, welcher gewiſſermaßen wie ein Sohn von mir iſt.

Dus gehorchte, und ich hatte die Freude, eine weiche ſammtene Hand einen Augenblick in der meinigen zu halten. Ich empfand eine nicht zu beſchreibende Genugthuung, als ich ihre Hand wirklich ſo weich fand, weil dieſer Umſtand mir die Verſicherung gab, daß die Noth ſie noch nicht zu irgend einer der Arbeiten getrieben hatte, welche für Frauen von beſſerem Stande nicht paſſen. Ich wußte,