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zu treten, um einen Mund voll Speiſe zu uns zu nehmen; und ich glaube, die liſtige Hexe that dieß, damit Ihr unbemerkt vorbeipaſ⸗ ſiren möchtet und ſie ihre weibliche Würde wahrte.“
„Und aus dieſem Dickicht von Fichten hervor kam Sureflint,
gerade nachdem Dus, wie Ihr ſie nennt, oder vielmehr Miß
Urſula Malbone, wie ich ſie betiteln muß, eben dieß Lied geſungen hatte?“
„Waret Ihr ſo nahe bei uns, Knabe, daß Ihr das gehört habt, und wir mußten Euch verfehlen! Das Mädel ſang eben daſſelbe Lied; ja, ich erinnere mich, und ein ſüßer, guter Geſang iſt es. Ihr ſie Miß Urſula Malbone nennen? Warum ſollt Ihr ſie nicht Dus nennen, ſo gut wie Frank und ich?“
„Aus dem einfachen Grunde, weil Ihr ihr Oheim ſeid, und Frank ihr Bruder iſt, ich aber ihr völlig fremd bin.“
„Pah, pah, Morty; das heißt gar zu wunderlich und ängſtlich ſein. Erſtlich bin ich nur ein Halboheim, und Frank iſt nur ein Halbbruder; und ich glaube gewiß, Ihr werdet ihr ganzer Freund werden. Sodann ſeid Ihr für Keines von der Familie ein Frem⸗ der, das kann ich Euch ſagen, Junge; denn ich habe ſo viel von Euch geſchwatzt, daß Beide, der Knabe und das Mädel Euch ſchon faſt ſo ſehr lieben wie ich.“
Der gute, ehrliche, aufrichtige alte Andries! Welch' ein unan⸗ genehmes Gefühl verurſachte er mir, als er mich in das Geheim⸗ niß einweihte, daß ich Perſonen entgegentreten ſollte, welche ſeit zwölf Monaten ſeine parteiiſchen Erzählungen von mir angehört hatten! Es iſt ſo ſchwer, Erwartungen zu entſprechen, die auf ſolche Art rege gemacht worden ſind; und ich will geſtehen, daß ich angefangen, in Beziehung auf dieſe Dus einigermaßen meine Un⸗ befangenheit zu verlieren. Der Geſang hatte mir im Ohr geklungen von dem Augenblick an, wo ich ihn zuerſt gehört; und jetzt, nach⸗ dem er eine Beziehung gewonnen auf die Urſula Malbone der Priscilla Bayard, war Jene in der That für meine Einbildungs⸗


