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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Hebt, ihr Männer, ſo lieb euch euer Leben iſt, hebt! rief der Boß, wie Einer, der im Todeskampf liegt.

Der Ton ſeiner Stimme klang mir wie der Ton der Ver⸗ zweiflung. Hätte uns in dieſem Augenblick ein einziger Knabe im Stiche gelaſſen, und wir hatten ihrer zwanzig auf dem Gerüſte, ſo hätte die ganze Maſſe Zimmerholz auf uns herabſtürzen müſſen. Man rede mir nicht von einem Angriff gegen eine Batterie! Was iſt dieß, verglichen mit der Lage, in welcher wir uns befanden, für menſchliche Nerven? Das Nachlaſſen, das Erlahmen eines Muskels bei dieſer angeſtrengt hebenden und ſich anſtemmenden Menſchenmaſſe wäre unſer Aller Verderben geweſen. Fürchterliche, grauenvolle zwanzig Sekunden folgten; und gerade wie ich die Hoffnung aufgegeben hatte, ſtürzte ein junges weibliches Weſen aus dem bangen, kreideweißen Haufen der Weiber hervor, welche mit Schrecken und Todesangſt zuſahen, die man ſich leichter vorſtellen als ſchildern kann, ergriff die Stütze und rückte ſie zu⸗ recht gegen den Bund. Nur ein Zoll fehlte noch, bis ſie hinein⸗ paßte, aber wie dieſen Zoll gewinnen? Jetzt erhob ich meine Stimme, und rief den ermatteten Männern zu, noch einmal zu heben. Sie gehorchten; und ich ſah das muthige Mädchen mit den treuen zuverläſſigen Augen und der feſten Hand die Stütze genau da, wo es nöthig war, einſetzen. Alle auf dieſer Seite des Bundes empfanden augenblicklich die Erleichterung, und Einer um den Andern zog ſich vorſichtig, unter dem Rahmen hervor, zurück, bis nur Diejenigen noch zurück waren, welche die andere Seite emporhielten. Wir eilten dieſen zu Hilfe und hatten bald eine Anzahl Stützen eingeſtellt, worauf Alle ſich zurückzogen, und athemlos und ſchweigend die Gefahr betrachteten, der ſie entgangen waren. Ich für meine Perſon empfand tiefe Dankbarkeit gegen Gott für dieſe Rettung.

Dieſer Vorfall machte einen tiefen Eindruck. Jedermann er⸗

kannte lebhaft die Gefahr, welcher man ausgeſetzt geweſen, und