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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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beinahe alle Zeichen ſeines militäriſchen Berufs abgelegt, obgleich die Märſche und Erxercitien von acht Jahren nach einer Friſt von uur 12 Monaten nicht ganz in der Haltung und dem Gang eines Mannes ſich verläugnen konnten. Das Einzige, was den geweſenen Soldaten verrieth, außer der Haltung, war die Art und Weiſe, wie mein ehemaliger Kollege Kapitän ſeinen Zopf geflochten und gebunden trug. Andries trug ſeine eigene Haare; das machte ſeine

Lebensart in den Wäldern von frühen Jahren an nothwendig; aber

er hatte es nun lange in einer Art militäriſchen Zuſchnitts gebun⸗ den, und dieſer Art blieb er auch jetzt noch treu. In andern Be⸗ ziehungen hatte er ſich ganz in einen Waldbewohner umgewandelt. Er trug ein Jagdhemd, wie ich; Ledergamaſchen, Mokaſins, und eine Mütze von Häuten ohne den Pelz. Aber dieſen Anzug, weit entfernt den wohlthuenden Eindruck ſeines noch ſo friſchen Alters zu ſchwächen, trug vielmehr dazu bei, ihn zu erhöhen. Andries Coe⸗ jemans maß immer noch, mit ſiebzig Jahren, ſeine ſechs Fuß, denn er war ſo aufrecht als mit zwanzig Jahren; und weit entfernt, daß ſein Körper von den Unbilden des Alters gelitten hätte, ſchien er durch Alles, was er ausgeſtanden, nur noch mehr abgehärtet und gekräftigt. Sein Kopf war ſchneeweiß, während ſein Geſicht die rothe, wettergebräunte Farbe der Geſundheit und des Le⸗ bens im Freien an ſich trug. Das Geſicht war immer ein ſchö⸗ nes geweſen, denn ſeinen kühnen und männlichen Zügen war ein ganz ungewöhnlicher Ausdruck von Aufrichtigkeit und Wohlwollen aufgeprägt.

Der Kettenträger konnte mich nicht ſehen, bis er auf das Ge⸗ rüſte trat. Da aber konnte man nicht im Zweifel ſein über den Ausdruck ſeines Geſichts, welches Freude und freundſchaftliche Theil⸗ nahme verrieth. Ueber das Zimmerholz ſchreitend mit dem Schritt eines Mannes, der längſt gewohnt iſt, unter Gefahren aller Art zu wandeln, ergriff er meine Hand und drückte ſie mit einer Kraft, die den guten Zuſtand ſeiner Muskeln und Sehnen verrieth. Ich