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die Worte keiner von beiden angehörten. Endlich ging mir ein Licht darüber auch, daß das Lied Indianiſch war; nicht die Muſik, ſondern die Worte. Die Muſik war unzweifelhaft ſchottiſche, oder jene entſtellte italieniſche Muſik, welche im Verlauf der Zeit für ſchottiſche ausgegeben wurde: und einen Augenblick bildete ich mir ein, ein hochländiſches Mädchen in meiner Nähe ſinge eines der celtiſchen Lieder des Landes ihrer Kindheit. Aber bei ſchärferer Aufmerkſamkeit überzeugte ich mich, daß die Worte wirklich India⸗ niſch waren, vermuthlich der Mohawkſprache, oder einer andern, die ich oft hatte ſprechen hören, angehörig.
Der Leſer iſt wohl neugierig, zu erfahren, woher dieſe Töne kamen, und warum ich das Weſen nicht ſah, von welchem ſolche entzückende Harmonie ausging. Dieß rührte daher, daß der Ge⸗ ſang aus einem Dickicht von jungen Fichten herkam, welche auf einer alten Lichtung in geringer Entfernung vom Wege wuchſen, und wo ich irgend eine Hütte vermuthete. Dieſe Fichten jedoch ver⸗ ſteckten vollkommen Alles, was hinter ihnen war. So lange der Geſang dauerte, blieb ich ſelbſt ſo unbeweglich ſtehen, wie nur irgend ein Baum des Waldes; als er aber endete, war ich im Begriff, auf das Dickicht los zu gehen und ſeine Geheimniſſe zu erſpähen, als
ich ein Lachen vernahm, kaum minder melodiſch als die Töne der
Muſik ſelbſt. Es war nicht ein gemeiner, ſchallender Ausbruch von mädchenhafter Luſtigkeit, auch war es nicht einmal laut, aber es war leichtherzig, fröhlich, von Laune zeugend,— falls man von einem bloßen Lachen dieß ſagen kann z und in gewiſſem Sinne war es anſteckend. Es machte mich wieder ſtillſtehen, um zu lauſchen; und ehe ich mich wieder veranlaßt fand, mich in Bewegung zu ſetzen, theilten ſich die Aeſte der Fichten, und ein Mann trat aus dem Dickicht auf den Weg. Ein einziger Blick genügte, mich zu überzeugen, daß der Unbekannte ein Indianer war.
Ungeachtet ich wußte, daß ich mich ganz in der Nähe von Andern befand, war ich doch etwas betroffen über dieſe plötzliche


