Druckschrift 
Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
Einzelbild herunterladen

122

hauptet, ſie haben keines. Geld iſt Etwas, worauf wenige Leute von gebildetem Geiſte ſtolz ſind. Die Geldſtolzen ſind beinahe immer die Gemeinen und Unwiſſenden.

Ohne Zweifel war dieſe Moral weggeworfen an eine ſolche Zuhörerin; aber ich war gereizt, und im gereizten Zuſtand iſt Einer nicht immer beſonnen und klug. Ihre Antwort zeigte, welche Wir⸗ kung meine Moral hervorgebracht hatte.

Ich maße mir nicht an, zu wiſſen, wie es damit iſt; aber wenn es nicht Stolz iſt, was iſt es denn, wodurch Dus Malbone ſich ſo ſehr von meinen Töchtern unterſcheidet? Sie ließe ſich ſo wenig einfallen, zu ſein wie Eine von dieſen, auf den Loostheilen herumzufegen, ohne Sattel zu reiten und die Nachbarſchaft zu durch⸗ ſtreifen, als Ihr, mir mein Eſſen zu kochen ja gewiß nicht!

Die arme Mrs. Tinkum oder wie ſie im Stande geweſen wäre ſich zu nennen, Miß Tinkum! Sie hatte eine der gewöhn⸗ lichſten Schwächen der menſchlichen Natur verrathen, indem ſie ſo des Kettenträgers Nichte des Stolzes beſchuldigte, weil dieſelbe anders lebte und ſich benahm als ſie und die Ihrigen. Wie viele Leute in dieſer unſerer guten Republik beurtheilen ihre Nebenmen⸗ ſchen genau nach demſelben Grundſatze, und betrachten Etwas als unziemlich, weil es ein ungünſtiges Licht auf ihre Art zu ſein zu werfen ſcheint! Aber ich hatte nachgerade einiges Intereſſe für den Namen Dus Malbone gefaßt, und ich empfand eine Neigung, den

Gegenſtand weiter zu verfolgen.

Alſo, ſagte ich,Miß Malbone reitet nicht ohne Sattel?

La, Major! was auf der Welt bringt Euch auf den Einfall, das Mädchen Miß Malbone zu nennen? Es lebt keine Miß Mal⸗ bone, ſeit ihre Mutter todt iſt!

Nun alſo Dus Malbone, meine ich; ſie dünkt ſich zu gut, auf dem bloßen Rücken des Pferdes zu reiten?

Ja wohl; ſelbſt ein Reikiſſen wäre kaum vornehm genug, während ihr Bruder ſich des Sattels bedient.