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„Ihr Bruder!— Der junge Vermeſſer iſt Dus Bruder?“
„Ja, ſo halb und halb. Sie hatten Einen Vater, aber ver⸗ ſchiedene Mütter.“
„Das erklärt es; ich habe den Kettenträger nie von einem Neffen reden hören, und es ſcheint, der junge Mann iſt gar nicht mit ihm verwandt— er iſt der Halbbruder ſeiner Nichte.“
„Warum kann dieſe Nichte ſich nicht betragen wie andere junge Dirnen? Das frage ich. Meine Mädchen haben nicht ſo viel Stolz als gut wäre für ſte, wahrhaftig! Wenn Jemand einen Artikel ent⸗ lehnen möchte von drüben im Neſt, das ſieben Meilen entfernt iſt, und der ganze Weg führt durch die Wälder, ſo darf man es nur der Poll ſagen, und ſie ſpringt auf einen Ochſen, wenn gerade kein Pferd da iſt, und auf und davon, es zu holen, und denkt nicht an einen Sattel, und hat vielleicht nichts als ein Halfter, wie ein Hirſch. Ja, ich lobe mir Poll vor allen Mädchen, die ich kenne, was ſolche Sendungen betrifft!“
Nachgerade gewann der Ekel vor ſolcher Gemeinheit in mir die Oberhand über die Neugier; und da ich mit meinem Mittags⸗ mahl von gebratenem Schweinefleiſch fertig war, wollte ich das Geſpräch fallen laſſen. Ich hatte von Andries und ſeiner Geſell⸗ ſchaft genug erfahren, um meine Neugier zu befriedigen, und Jaap wartete geduldig, um mein Nachfolger am Tiſche zu werden. Ich warf den Betrag der Zeche auf den Tiſch, nahm eine Vogelflinte, mit welcher man damals immer reiste, bot der Mrs. Tinkum guten Tag, trug dem Schwarzen und dem Führer des Wagens auf, mir mit dem Geſpann zu folgen, ſobald ſie fertig wären, und machte mich zu Fuß auf den Weg nach meinem Beſitzthum.
In ganz wenigen Minuten hatte ich das Tinkum'ſche Anweſen hinter mir und befand mich wieder ganz im Forſte. Es traf ſich, daß der Rechtstitel auf einen großen Strich Landes, der an Ravens⸗ neſt ſtieß, ſtreitig war, und nie war daſelbſt ernſtlich der Verſuch einer Anſiedlung gemacht worden. Eine Familie hatte ſich auf dieſem


