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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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ſchienen mir gewöhnlich nur Eine Seele mit einander gemeinſam zu haben, und wenn irgend eine leichte Meinungsverſchiedenheit ein⸗ trat, ſo war dann die Frage nicht: Welches durchdringen, ſondern Welches nachgeben ſolle. Meine Mutter mag einen größeren an⸗ geborenen Verſtand gehabt haben, obgleich der General ein ſehr hübſcher, ſtattlicher, geſcheuter Mann und allgemein hochgeachtet war.

Es wäre auch gut, Anneke, ſagte mein Vater,wenn der Major einen Beſuch beim Grabe des armen Guert machte, und nachſähe, ob die Steine noch ſtehen, und der Platz ſo gehalten wird, wie es ſich gebührt. Ich bin ſeit dem Jahr 68 nicht mehr dort geweſen, wo es ausſah, wie wenn in nicht ſehr ferner Zeit das Nachſehen eines befreundeten Auges ihm frommen würde.

Er ſagte dieß abſichtlich mit leiſer Stimme, damit Tante Mary es nicht hörte; und da ſie etwas harthörig war, erreichte er vermuthlich ſeine Abſicht. Aber anders war es mit Oberſt Dirck, welcher die Pfeife aus dem Munde nahm, und aufmerkſam lau⸗ ſchend da ſaß, wie Einer, der an einem Gegenſtand lebhaftes In⸗ tereſſe nimmt. Wieder trat eine Pauſe ein.

Dann iſt da auch mein Lord Howe, Corny, bemerkte der Oberſt mit ſtark holländiſchem Accent;wie iſt es mit ſeinem Grabe?

Oh, dafür hat die Kolonie gut geſorgt. Man hat ihn im Hauptflügel von St. Peter begraben, glaube ich; und ohne Zweifel iſt da Alles in Ordnung. Was das andere Grab betrifft, Major, ſo dürfte es gut ſein, darnach zu ſehen.

Große Veränderungen ſind in Albany eingetreten, ſeit wir als junge Leute dort waren! bemerkte meine Mutter mit nachdenk⸗ lichem Ernſt.Die Cuylers ſind durch die Revolution ſehr ge⸗ ſunken, während die Schuylers größer geworden ſind als je. Die arme Tante Schuyler, ſie hat es nicht mehr erlebt, einen Sohn von uns bei ſich zu bewillkommnen!

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Die Zeit führt ſolche Wechſel herbei, meine Liebe; und wir

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