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können nur Gott dankbar ſein, daß nach einem ſo langen und blutigen Kriege noch ſo Viele von uns übrig ſind.“—
Ich ſah meiner Mutter Lippen ſich bewegen, und ich wußte, daß ſie in ihrem Innern der Vorſehung dankte, welche ihren Gatten und ihren Sohn bei dem letzten Kampfe am Leben erhalten hatte.
„Du wirſt ſchreiben, ſo oft ſich Gelegenheiten darbieten, Mor⸗ daunt,“ ſagte dieſe zärtliche Mutter nach einer ungewöhnlich lan⸗ gen Pauſe. Jetzt, da es Friede iſt, kann ich hoffen, deine Briefe mit einiger Regelmäßigkeit zu bekommen.
„Man ſagt mir, Coufine Anneke,“— denn ſo nannte der Oberſt immer meine Mutter, wenn wir allein waren—„man ſagt mir, Couſine Anneke,“ ſagte Oberſt Dirck,„ſie beabſichtigen jetzt, förmlich eine Briefpoſt dreimal wöchentlich zwiſchen Albany und York einzuführen. Man kann nicht wiſſen, General, was dieſe glorreiche Revolution uns noch Alles bringen wird.“
„Wenn ſie mir dreimal wöchentlich Briefe von meinen Lieben bringt,“ verſetzte meine Mutter,„ſo wird ſicherlich mein Patrio⸗ tismus um ein Großes geſteigert werden. Wie werden aber Briefe aus Ravensneſt herauskommen nach den ältern Theilen der Kolonie — des Staates wollte ich ſagen, Mordaunt?“
„In dieſer Beziehung muß ich mich auf die Anſiedler verlaſſen. Hunderte von Yankee's, ſagt man mir, ſehen ſich dieſen Sommer nach Pachtgütern um; ich werde wohl einen oder den andern der⸗ ſelben als Boten benützen können.“
„Verlaßt Euch nicht zu ſehr auf ſie, oder nicht auf zu viele,“ brummte Oberſt Dirk, welcher den alten holländiſchen Groll gegen unſere öſtlicher wohnenden Brüder hegte.„Denkt nur, wie ſie es dem Schuyler gemacht haben!“
„Ja,“ ſagte mein Vater, ſeine Pfeife wieder ſtopfend,„ſie hätten können mehr Gerechtigkeitsliebe und weniger Vorurtheile gegen den weiſen Philipp an den Tag legen; aber Vorurtheile
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