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das Geheimniß ein, daß ſie Tom Bayard erhört habe. Die Ver⸗ mählung ſollte erſt nach meiner Rückkehr aus dem Norden ſtatt⸗ finden, und dieſe war im nächſten Herbſte zu erwarten.
„Alſo ſoll ich dich beinahe ſo bald verlieren als finden, Kate,“ ſagte ich etwas niedergeſchlagen.
„Nicht mich verlieren, Bruder; nein, nein, mich nicht verlie⸗ ren, ſondern mich finden, mehr als je. Ich werde in eine Fa⸗ mitie verpflanzt werden, in welcher du dir wohl bald ſelbſt eine Gattin ſuchen dürfteſt.“
„Wenn ich käme, welchen Grund hätte ich zu glauben, daß meine Abſicht würde vom Erfolg gekrönt werden?“
„Das iſt eine Frage, welche Ihr nicht berechtigt ſeid, zu thun. Wäre mir auch ein beſonderer Grund bewußt anzuneh⸗ men, daß Eure Aufnahme eine günſtige ſein würde, ſo könnt Ihr mir doch nicht die Treuloſigkeit zutrauen, daß ich meine Freundin verrathen würde. Junge Ladies ſind nicht von ſo gar leichtem und geſchmeidigem Charakter, wie Ihr zu glauben ſcheint, Sir; und keine andere Verfahrungsweiſe, als die gerade und ehrliche wird zum Ziele führen. Ich habe jedoch keinen andern Grund zu der Annahme, es würde Euch nach Wunſch gelingen, als daß Ihr ein angenehmer Jüngling ſeid, von gutem Aus⸗ ſehen, gegen deſſen Familie und Vermögen Nichts einzuwenden iſt, ganz in der Nähe von den Hickories anſäßig, von entſpre⸗ chendem Alter, Gemüthsart, Charakter, Lebensweiſe u. ſ. w. Sind das nicht Gründe genug, Euch zum Ausharreu zu ermuthigen, mein tapferer Major?“
„Die Beharrlichkeit ſetzt einen Anfang voraus, und ich habe noch keinen Anfang gemacht. Ich weiß kaum, was ich aus deiner Freundin machen ſoll, Kind; entweder iſt ſie die Vollendung von Natur und Einfachheit, oder die Vollendung von Kunſt und Ver⸗ ſtellung.“
„Von Kunſt Priscilla Bayard ſich verſtellen! Mordaunt, nie
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