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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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Ihr ſeid vermuthlich etwas überraſcht geweſen, Major Little⸗ page, begann ſie,zu hören, daß ich mich ſo warm zu Gunſten dieſes Landes ausſprach, da einige Zweige meiner Familie von der neuen Regierung hart behandelt worden ſind?

Ihr ſpielt auf die Confiskationen an? Ich habe ſie nie ge⸗ billigt und gerechtfertigt, und wünſchte, ſie wären nicht erfolgt; denn ſie treffen am ſchwerſten Diejenigen, welche ganz ſchuldlos waren, während die Meiſten unſerer wirklichen Feinde mit heiler Haut entkommen ſind. Aber es iſt doch nicht mehr als gewöhn⸗ liches Verfahren in Bürgerkriegen, und ſicherlich wäre es uns ebenſo ergangen, wenn wir die unterliegende Partei geweſen wären.

Das hat man mir auch geſagt;z aber da keine mir ſehr naheſtehenden Perſonen von einem Verluſte betroffen worden ſind, iſt meine öffentliche Tugend im Stande geweſen, meinen Privat⸗ gefühlen zu widerſtehen. Mein Bruder, wie Ihr wohl ſchon be⸗ merkt habt, iſt weniger ein ächter Amerikaner als ich.

Ich habe angenommen, er gehöre zu den äußerſt Neutralen; und die, habe ich gedacht, neigen ſich immer ein wenig zu der ver⸗ lierenden Partei hin.

Ich hoffe jedoch, ſeine politiſche Vorneigung, die ſehr ehrlich, obwohl ſehr irrthümlich iſt, werde ihm in Eurer guten Meinung nicht weſentlich ſchaden. Es hängt zu viel davon ab, als daß mir dieſer Gegenſtand nicht am Herzen liegen ſollte; und da ich allein in der ganzen Familie entſchieden der Whigpartei angehöre, habe ich gedacht, ich wolle es wagen, für einen innigſt geliebten Bruder zu ſprechen.

Nun, ſagte ich bei mir ſelbſt,das heißt die Sache gehörig einfädeln! aber ich bin doch nicht ſo ganz unerfahren, daß ich mich durch eine ſo wenig verſteckte Liſt zum Narren haben ließe! Der Henker ſteckt in dem Mädchen; und doch ſcheint es ihr Ernſt zu ſein, ſte ſchaut mich an mit dem Vertrauen und der Einfalt einer Schweſter, die noch mehr ſogar fühlt als ſie ausſpricht, und ſicher⸗

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