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lich iſt ſie eines der reizendſten Geſchöpfe, die mir je vor Augen gekommen. Ich darf ſie nicht merken laſſen, wie ſehr ich auf meiner Hut bin, ſondern muß der Liſt mit Liſt begegnen. Es müßte doch ſonderbar zugehen, wenn ich, der ich eine Compagnie Kontinentalſoldaten mit einigem Lobe kommandirt habe, nicht fertig werden könnte mit einem Mädchen von zwanzig Jahren, wäre ſie auch noch ſchöner, und ſehe noch unſchuldiger aus als dieſe Pris Bayard, was freilich, muß ich geſtehen, nicht leicht möglich iſt.“
Der Leſer wird verſtehen, daß ich das Alles bei mir ſelbſt ſprach, und zwar war es ſehr bald geſagt, denn man redet mit ſich ſelbſt erſtaunlich ſchnell, aber was ich nach augenblicklichem Beſinnen zu meiner ſchönen Begleiterin ſagte, lautete ganz anders nach Sprache und Inhalt.
„Ich verſtehe nicht, in welcher Weiſe meine Meinung dem Mr. Bayard etwas austragen ſollte, möchte ſie für oder gegen ihn ſein,“ antwortete ich, mit einem eben ſo unſchuldigen Ausdruck, ſo wie ich die Sache anſah, als die junge Lady ſelbſt in ihrem hübſchen Geſichtchen gezeigt hatte, und machte hiebei, wie ich mir einbildete, meine Sache unendlich gut;„obgleich ich weit entfernt bin, irgend einen Mann hart zu beurtheilen, weil er zufällig von mir abweicht in ſeinem Urtheil von politiſchen Dingen. Die Frage war ſehr kitzlicher und zarter Natur, und die redlichſten Männer ſind in der Beantwortung derſelben am weiteſten auseinanderge⸗ treten.“
„Ihr wißt nicht, wie ſehr es mich erfreut, dieß von Euch zu hören, Mr. Littlepage,“ erwiederte meine Begleiterin, mit einem ſüßen Lächeln, wie nur je von einem Weibe einem Manne geſpen⸗ det wurde.„Es wird Tom ganz glücklich machen, denn ich weiß, er war ſehr bange vor Euch eben wegen dieſes Punktes.“
Ich antwortete nicht ſogleich; denn ich beobachtete, glaube ich, die Spuren und Ausläufer dieſes bezaubernden Lächelns, und ſuchte mich mit Vernunftgründen gegen ſeinen Eindruck zu wehren, mit


