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Meine Großmutter erklärte bald, die ganze Geſellſchaft müſſe die Nacht in Satanstoe zubringen. Da wir an ſolche plötzliche Entſchlüſſe gewohnt waren, erhoben weder Kate noch ich die min⸗ deſte Einwendung, während die Bayards einem Befehle, der je⸗ doch auch für ſie, wie ich bald entdeckte, keine ungewohnte Sache zu ſein ſchien, mit vollkommener Bereitwilligkeit und Folgſam⸗ keit ſich unterwarfen. So in der Vertraulichkeit eines ſtillen und kleinen Kreiſes, auf einem Landhauſe uns zuſammenfindend, mach⸗ ten wir in unſerer gegenſeitigen Bekanntſchaft große Fortſchritte, und bis das Mittageſſen vorüber war, das heißt um vier Uhr, fühlte ich mich ſchon wie ein alter Bekannter von Perſonen, welche vor kurzer Zeit noch mir bis auf den Namen hinaus fremd ge⸗ weſen waren. Bayard und meine Schweſter waren vom erſten Anfang an in der beſten Laune, und ich gewann die Ueberzeugung, ihre Angelegenheit war in ihren Herzen eine ausgemachte Sache; Miß Priscilla jedoch war ein paar Stunden nicht frei von einigem Zwang, wie Jemand, der eine leichte Verlegenheit empfindet. Dies verlor ſich jedoch, und lange ehe wir vom Tiſch aufſtanden, war ſie ganz ſie ſelbſt geworden,— und ſehr reizend war dieſes Selbſt, das war ich genöthigt zuzugeben. Ich ſage: genöthigt; denn trotz Allem, was ich geſagt, und trotz einem gewiſſen ge⸗ ſunden Verſtande, den ich mir hoffentlich zuſchreiben darf, war es mir doch unmöglich, mich ganz des Mißtrauens zu entſchlagen, welches ſich an den Gedanken knüpfte, man erwarte, daß ich mich in die junge Dame verliebe. Meine gute Großmutter trug auch dazu bei, dieß Gefühl in mir rege zu erhalten. Die Art, wie ſie ihr Auge von Einem auf das Andere ſchweifen ließ, und das zufriedene Lächeln, das über ihr Geſicht flog, ſo oft ſie Pris und mich in unbefangenem Geſpräch mit einander ſah, verrieth mir ganz und gar, daß ſie mit im Geheimniß war und bei dem Komplott, wie ich die Sache anzuſehen beliebte, die Hand mit im Spiel hatte.
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