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zuſtufen, vernichtet, und ganz beſonders bei einer Vorſtellung widrig iſt. Aber ach! es gibt ſo viele ſolche Neuerungen, daß man nicht vorherſagen kann, wo ſie aufhören werden. Ich ſchüt⸗ telte bei einer erſten Vorſtellung, ausgenommen unter meinem eigenen Dach, und wenn ich eine entſchieden gaſtfreundliche Ge⸗ ſinnung an den Tag zu legen wünſchte, nie die Hände bis zu meinem vierzigſten Jahre. In meinen jüngern Jahren hielten mich Manche für gemein, und ich weiß nicht gewiß, ob nicht Manche noch jetzt ſo denken.
In dem kleinen, altmodiſchen„Empfangzimmer,“ wie ſeit einigen Jahren meine gute Großmutter ſich hatte bewegen laſſen, das Zimmer zu nennen, welches ſonſt das beſte Wohnzimmer war, fanden wir Miß Priscilla Bayard, die aus Gründen, welche un⸗ erklärt blieben, nicht mit an das Portal gekommen war, ihre Freundin zu begrüßen. Sie war in der That ein reizendes Mäd⸗ chen, mit ſchönen, dunkeln Augen, glänzendſchwarzen Haaren, von zarter, vornehmer Geſtalt, und einer Anmuth des Benehmens, welche vollkommene Vertrautheit mit der beſten Geſellſchaft des Landes verrieth. Kate und Pris umarmten einander mit einer Wärme und Aufrichtigkeit, welche zu Gunſten Beider ſprach, und mit vollkommener Natürlichkeit. Ein affektirtes amerikaniſches Mädchen, beiläufig bemerkt, iſt eine große Seltenheit, und nichts fällt mir eher auf, wenn ich meine Landsmänninnen neben Euro⸗ päerinnen ſehe, als der Unterſchied gerade in dieſer Beziehung; die Einen erſcheinen ſo natürlich, die Andern ſo verkünſtelt!
Die Begrüßung, die mir von der Miß Bayard wurde, war verbindlich, doch bildete ich mir ein, irgend ein leiſer Zug ver⸗ rathe, daß ſie ſich bewußt ſei, bei irgend einer müſſigen Veran⸗ laſſung ihren Namen in enger Verbindung mit dem meinigen aus⸗ ſprechen gehört zu haben. Vielleicht mag Kate in einem vertrau⸗ lichen Augenblick etwas dahin Zielendes geſagt haben, oder habe ich mich vielleicht getäuſcht.


