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Regimente, ein ſo ſchlechter Patriot, daß er an der Zukunft gezwei⸗ felt hätte. Es war zum Lachen, mit wie viel Geſchmack und Ein⸗ falt der alte Kettenträger auf all dieſe knabenhaften Pläne und Entwürfe einging. Seine Nichte war eine Waiſe, wie es ſchien, das einzige Kind einer einzigen Halbſchweſter, und war gänzlich auf ihn angewieſen in Betreff ihres Lebensunterhalts und ihres tägli⸗ chen Brodes. Es iſt wahr, dieſer Nichte erging es etwas beſſer, als man unter dieſen Verhältniſſen zu erwarten berechtigt war, denn eine Freundin ihrer Mutter, welche ſelbſt ihres Vermögens beraubt eine Schule gründete, hatte für ſie alle Sorge getragen und ſo ihrer Schutzbefohlenen eine weit beſſere Erziehung gegeben, als ſie je unter ihres Oheims Leitung empfangen haben würde, hätte dieſer auch die Reichthümer der van Reuſſelaer oder der van Cortlandts beſeſſen. Wie ſchon deutlich genug angedeutet worden, hatte der alte Andries ſeine Stärke nicht in der Bildung, und Die⸗ jenigen, welche dieſes Vorzugs nicht theilhaftig ſind, wiſſen ſelten deſſen Bedeutung gehörig zu würdigen. Es verhält ſich mit den erworbenen Kenntniſſen des Geiſtes, wie mit den Vorzügen des äußeren Benehmens und der Geſchmacksbildung; man iſt ſehr ge⸗ neigt, das Alles zu unterſchätzen, bis man durch Erfahrung hat einſehen lernen, wie ſehr es den Geiſt zu erheben und zu erweitern vermag. Aber die Nichte des Andries war ausnehmend glücklich, daß ſie gerade in dieſe Hände gefallen war; denn Mrs. Stratton war im Stande und geneigt, was den Unterricht betrifft, ſo lange ſie lebte Alles für ſie zu thun, was damals irgend für ein junges Frauenzimmer in New⸗York geſchehen konnte. Als je⸗ doch dieſe wohlwollende Freundin im Jahre 1783 ſtarb, ſah ſich Andries genöthigt, wieder ſelbſt die Sorge für ſeine Nichte zu übernehmen, die jetzt gänzlich auf ſeinen Schutz und ſeine Unter⸗ ſtützung angewieſen war. Zwar wünſchte das Mädchen ſich ſelbſt fortzubringen, aber weder der Stolz noch die Zärtlichkeit des alten Kettenträgers wollte Etwas davon hören.


