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Der Kettenträger, / von J. F. Cooper
Entstehung
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viele Verlockungen gehabt haben mögen, unter das väterliche Dach zurückzukehren, wie ich. Dort hatte ich erſtlich meine geliebte Mut⸗ ter und meine Großmutter, welche beide mich als einzigen Sohn hätſchelten. Sodann beſaß Tante Mary in nicht viel geringerem Grade meine liebevolle Anhänglichkeit. Aber ich hatte auch zwei Schweſtern, die eine älter, die andere jünger als ich. Die Erſtere nach unſerer theuern Mutter Anneke genannt, war ſechs Jahre älter als ich, und ward zu Anfang des Krieges mit einem Gentle⸗ man mit Namen Kettletas vermählt. Mr. Kettletas war ein Mann mit einem ſehr hübſchen Beſitzthum, und machte meine Schwe⸗ ſter vollkommen glücklich. Sie bekamen mehrere Kinder, und hatten ihren Aufenthalt in Ducheß, was ein weiterer Grund war, dieſe Gegend zu ihrem zeitweiligen Aufenthaltsort zu wählen. Ich ſah Anneke, oder Mrs. Kettletas, ſo ziemlich mit denſelben Augen an, womit alle Jünglinge eine ältere Schweſter anſehen, wenn ſie liebe⸗ voll, weiblich und durchaus achtbar iſt; aber die kleine Katrinke, oder Kate, war mein Liebling. Sie war wieder vier Jahre jünger als ich, und da ich zur Zeit der Auflöſung der Armee gerade zwei und zwanzig Jahre alt war, zählte ſie erſt achtzehn. Dieſe ge⸗ liebte Schweſter war ein kleines, hüpfendes, lachendes, niemals ru⸗ higes, luſtiges Geſchöpf, als ich im Jahr 1781 von ihr Abſchied genommen hatte, um als Fähnrich zum Regiment abzugehen, ſo ſchön und hold wie eine Roſenknospe, und auch eben ſo verheißungsvoll. Ich erinnere mich, daß der alte Andries und ich einen großen Theil unſerer Zeit im Lager mit Geſprächen über unſere beiderſeitigen Lieblinge zubrachten; er ſpr ch von ſeiner Nichte und ich von mei⸗ ner jüngeren Schweſter. Natürlich hatte ich im Sinne nie zu hei⸗ rathen, ſondern Kate und ich wollten zuſammenleben, ſie als meine Haushälterin und Geſellſchafterin, und ich als ihr älterer Bruder und Beſchützer. Als das einzige große Gut des Lebens galt uns Allen der Friede neben dem Beſitz der Unabhängigkeit, und wenn man einmal ſo weit gekommen, war Keiner, wenigſtens in unſerem

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