18
in Gedanken im Folterſtock!— Wenn aber der Morgen graute, huſch! war die Priſe verſchwunden, auf einem oder dem andern Wege.“
„Sind denn die Kerle ſolche Bluthunde, daß man ſie die Rothen nennt?“
„Den Namen haben ſie von ihrem Anführer,“ erwiederte mit wichtiger Miene der ehrwürdige Kleidermacher, deſſen Kamm ſich zu heben anfing, je weiter er in der Mittheilung ſeiner intereſ⸗ ſanten Legende vorrückte.„Es iſt ſein Name und auch ſeines Schiffes Name; wenigſtens hat Niemand, der'mal einen Fuß darauf geſetzt, es wieder verlaſſen, um zu ſagen, ob es einen beſſern oder ſchlechtern führe; Niemand, das will ſagen, kein ehrlicher See⸗ mann oder braver Paſſagier. Das Schiff hat übrigens, wie man ſagt, die Größe einer Kriegsjacht, auch die Geſtalt, auch die Aus⸗ rüſtung; es iſt wie durch Wunder mancher tapfern Fregatte ent⸗ kommen; ja Einmal, Pardon— ſo ziſchelt man ſich in's Ohr, denn kein loyaler Unterthan würde es wagen, den Scandal laut nachzuſprechen— einmal lag es eine ganze Stunde unter den Batterien eines Linienſchiffs von fünfzig Kanonen, und ſchien dann, vor Al⸗ ler Augen, wie ein Klumpen Blei in den Grund zu ſinken. Aber im Augenblick, wo Alles voller Freude war, ſich die Hand ſchüttelte, ſich Glück wünſchte, daß die Buben nun Waſſer die Fülle zu trinken bekämen, lief ein Weſtindier in den Hafen ein, den der Seeräuber am Morgen nach der Nacht, in welcher Jedermann glaubte, daß er mit der ganzen Equipage in die Ewigkeit überge⸗ gangen ſei,— rein ausgeplündert hatte. Und was das Tollſte dabei war, Freund, iſt, daß während das durchſchoſſene Kriegsſchiff kielholen mußte, um ſich auszubeſſern, und die Lecke zu ſtopfen, das Raubſchiff die Küſte auf und nieder ſpazierte, ſo heil und ganz, wie es war, als es die Werkleute vom Stapel laufen ließen.“
„Nun, das iſt unerhört!“ rief der Landmann, auf den die Geſchichte anfing, einen tiefen Eindruck zu machen.„Wie ſieht denn das Schiff ſonſt wohl aus? Hat's eine gefällige Geſtalt? ein


