19
angenehmes Aeußere? oder iſt es überhaupt ausgemacht, ob es ein— lebendes wirkliches Schiff ſei?“
„Man iſt verſchiedener Meinung. Einige ſagen Ja; Einige ſagen Nein. Aber ich bin mit Jemanden bekannt, welcher eine Woche mit einem Matroſen gearbeitet hat, der'mal bei einem Kühlwind nicht weiter als hundert Schritt von demſelben wegge⸗ ſegelt iſt. Sein und der Equipage Glück war's, daß des Herrn Hand ſo mächtig auf dem Meere war, und daß der Rover alle Hände voll mit ſich und ſeinem Schiff zu thun hatte, um nicht zu ſinken. Der Bekannte meines Freundes konnte den günſtigen Mo⸗ ment benutzen, Schiff und Kapitän in vollen Augenſchein zu neh⸗ men, ohne etwas dabei zu wagen. Er hat ausgeſagt, der Pirat ſei ein Mann, noch halb'mal ſo dick, als der lange Prediger jen⸗ ſeits des Waſſers; ſein Haar habe die Farbe der Sonne im Nebel; Augen habe er, in die kein Menſchlein zweites Mal gucken möchte. Er hat ihn ſo klar und deutlich geſehen, wie ich Euch in dieſem Augenblick, denn der Schurke hing in der Takelage ſeines Schiffs, und winkte mit einer Hand, ſo groß wie eine Rocktaſchpatte, dem ehrlichen Kauffahrer zu, auszuweichen, damit beide Schiffe nicht aneinander ſtoßen und ſich überſegeln möchten.“
„Das nenn' ich mir einen verwegenen Segler, dieſen Kauffah⸗ rer! Dem unbarmherzigen Schurken ſo nahe auf den Leib zu kommen.“
„Bedenkt doch nur, Pardon, es war wider ſeinen Willen; und die Nacht war ſo finſter, daß man....«
„So finſter, ſagt Ihr?“ unterbrach Jener, der trotz ſeines Hanges zur Leichtgläubigkeit von der Neigung des Neu⸗Engländers, verfängliche Fragen zu ſtellen, nicht frei war.„Wie konnte er denn Alles ſo deutlich ſehen, und es nachher beſchreiben?“
„Das weiß kein Menſch,“ ſagte der Schneider,„s ſchadet aber nicht; genug, er ſah es, und ſah es gerade ſo, wie er es be⸗ ſchrieb, Alles haarklein, wie ich es Euch wiedererzählt habe. Noch
2*


