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Der Sterbende fühlte ſich geſtärkt und erbaut durch dieſe Erfüllung der Gebräuche der Kirche. Guert war kein Metaphyſtker; und zu keiner Zeit ſeines Lebens, glaube ich, ließ er ſich ſehr tief ein auf die Erwägung jener großen und hehren Fragen, welche ſein Daſeyn, ſeinen Urſprung, ſeine Beſtimmung und ſeinen Platz auf der großen Stufenleiter der lebendigen Weſen betrafen. Er hatte über dieſe Gegenſtände die allgemeinen Vorſtellungen und Begriffe, welche alle civiliſirte Menſchen durch die Erziehung und den Ver⸗ kehr mit ihren Mitmenſchen einſaugen, aber Mehr nicht. Er glaubte, daß es eine Pflicht ſey, zu beten, und ich zweifle nicht, er dachte, es gebe Zeiten und Tage, wo dieſe Pflicht dringender und gebiete⸗ riſcher ſey, als ſonſt; und wieder Zeiten und Tage, wo man ſich davon freiſprechen dürfe.
Wie zärtlich und ängſtlich wachte Mary Wallace über ihrem Kranken während dieſes ganzen traurigen Tages! Sie ſchien keine Müdigfeit und Erſchöpfung zu fühlen. Gegen Abend, gerade als die Sonne die Wipfel der Bäume mit ihrem ſcheidenden Licht röthete, kam ſie auf Anneke und mich zu, mit einem Angeſicht ſchwach erleuchtet wie von einem Schimmer von Freude, und flüſterte uns zu, Guert ſey beſſer. Zehn Minuten nach dieſem näherte ich mich dem Bette, und ſah den Kranken eine leichte Bewegung mit der Hand machen, wie wenn er wünſchte, daß ich ihm näher trete.
„Corny,“ ſagte Guert mit leiſer, matter Stimme,—„es iſt bald ganz vorüber. Ich wünſchte Mary Wallace noch einmal zu ſehen, ehe ich ſterbe.“
Mary war nicht weit entfernt— konnte es nicht ſeyn. Sie fiel auf ihre Kniee und ſchloß ihren immer ſchwächer werdenden Ge⸗ liebten an ihr Herz. Kein Wort wurde geſprochen auf beiden Sei⸗ ten; oder wenn ſie etwas ſprachen, ſo war es nur in leiſe flüſtern⸗ dem Tone, und von zu heiliger Art und Beſchaffenheit, als daß es Andern mitgetheilt werden dürfte. In dieſer Stellung blieb dieſe Jungfrau, lange ſo ſcheu, ſpröde und unentſchloſſen, beinahe eine


