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die Augen wiſchte;„aber ich fürchte, Ihr habt Euch alles dies ſelbſt zugezogen. Armer Menſch! Sorgt übrigens, ſobald Ihr in England ankommt, für einen guten Advokaten— es iſt am Ende doch noch möglich, daß Ihr frei ausgeht.“
„Erbärmlicher Wicht!“ rief jetzt Mr. Dodge, der vor den ge⸗ ängſtigten und noch immer auf ſeinen Knieen liegenden Verbrecher hintrat,—„elender Menſch! Dies iſt die gerechte Strafe. Ihr habt gefälſcht und geſtohlen— Handlungen, welche meine unbe⸗ dingteſte Mißbilligung finden— und ſeyd durchaus unpaſſend für jede achtbare Geſellſchaft. Ich habe Euch gleich von Anfang an durchſchaut und Euch nur deshalb in meiner Nähe geduldet, um hinter Eure Schliche zu kommen und ſie aufzudecken, damit Ihr nicht Schande und Schmach bringet über unſer geliebtes Vater⸗ land. Ein Betrüger hat keine Ausſicht in Amerika, und Ihr dürft von Glück fagen, daß Ihr wieder nach Eurer eigenen Hemiſphäre zurückgebracht werdet.“
Mr. Dodge gehöorte zu jener ziemlich zahlreichen Klaſſe, die man als„ehrlich vor dem Geſetze“ bezeichnet: das heißt, er ſtahl nicht und mordete nicht; und wenn er es auch mit der Verläum⸗ dung nicht eben genau nahm, ſo trug er doch ängſtlich Sorge, daß man ihn dafür nicht gerichtlich belangen konnte. Obſchon daher ſein ganzes Leben ein Gewebe von gemeinen verderblichen Laſtern war, ſo konnte man ihn doch nicht jener Unthaten beſchul⸗ digen, welche die Aufmerſamkeit von zwölf Geſchworenen auf ſich zu ziehen pflegen. Dies erhob ihn— natürlich nur in ſeinen eigenen Augen— ſo weit über die unklugeren Sünder, daß er ein Recht zu haben glaubte, ſeinen vormaligen Zimmergenoſſen in der eben erwähnten Weiſe anzureden. Die Todesangſt des Verbrechers konnte jedoch durch dieſen rohen Angriff nicht erhöhet werden; er winkte blos den ſpeichelleckeriſchen Demagogen hinweg und fuhr fort, die beiden Kapitäne um Erbarmen anzuflehen. In dem gleichen


