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wett's Haar erfaßt hatte, erhob ich mit einer Anſtrengung, welche mich ſelbſt unterzutauchen nöthigte, ſeinen Kopf über's Waſſer, um ihn Athem ſchöpfen zu laſſen; dann ließ ich wieder etwas nach, um ſelbſt wieder auf die Oberfläche zu gelangen. Ich hatte dies gethan, um ihm einen Augenblick zur Erholung zu gönnen, in der Hoffnung, er würde ſich vernünftig benehmen— und bat ihn nun, ſeine beiden Hände auf meine Schultern zu legen, ſeinen Körper ſo tief wie möglich hinabzuſenken und Athem zu ſchöpfen— das nebrige ſollte er mir überlaſſen, denn kann die Perſon, welche in Gefahr iſt, nur hiezu vermocht werden, ſo vermag ein erträglich guter Schwimmer ſie ohne ungewöhnliche Anſtrengung meilenweit zu bugſiren.
Aber dieſer Moment des Athemholens, welchen ich Drewett gewährte, hatte bei ihm nur die Folge, daß er ihm Kraft gab, wie ein Wahnſinniger um ſein Leben zu kämpfen, ohne irgend ſeiner Vernunft zu Hülfe zu kommen. Auf dem Land wäre ex ein Spiel⸗ ball in meinen Händen geweſen: im Waſſer aber konnte der kleinſte Knabe furchtbar werden.—
Gott verzeihe mir, wenn ich ihm Unrecht thue! Aber ich dachte ſeither öfter, Drewett habe recht gut gewußt, wer ich war, und ſeinem eiferſüchtigen Mißtrauen wegen Lucy's Verhältniß zu mir in dieſem Falle freien Lauf gelaſſen. Dies kann recht wohl bloße Täuſchung ſeyn; aber ſo viel iſt gewiß, daß ich ihn, während er um ſein Leben kämpfte, die Worte„Lucy“,„Wallingford“, „Clawbonny“,„gehäſſig“ und Aehnliches vor ſich hinmurmeln hörte.
Der Vortheil, den ich ihm einräumte, indem ich ihn ſeine Haͤnde auf meine Schultern legen ließ, drohte mir ſehr verderblich zu werden. Statt nach meiner Anweiſung zu handeln, packte er mich mit beiden Armen um den Hals, als ob er ſich mir auf den Kopf ſetzen wollte, indem er ſeine Schultern gewaltſam aus dem Waſſer zwängte und die meinigen durch dieſes Gewicht hinabdrückte. Eben in dieſer Stellung, während ſein Mund keine zwei Zoll von


