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ſelbe Aufgabe auf einer Schaluppenraa gelöst werden ſollte, welche mit eingeſetztem Segel an ihrem Platze hing, während das Schiff noch überdies in Bewegung war.— Dies entdeckte Drewett bald, denn kaum war er ein paar Schritte vorgerückt, als er ſogleich nach der Marstopenant griff, welche zum Glück eingeſchliſſt war, um ſich daran feſtzuhalten.
Das Alles geſchah, noch ehe man Zeit zu Vorſtellungen oder auch nur zum Nachdenken fand. Im ſelben Augenblicke hatte Neb, einem früher von mir gegebenen Zeichen gehorchend, das Steuer etwas nieder geſtellt, und das Spierende war bereits zwanzig Fuß von des Orpheus Quarterdeck entfernt.
Natürlich fingen die Frauen an, in allen Tonarten zu krei⸗ ſchen und zu rufen: die arme Mrs. Drewett bedeckte ſich das Ge⸗ ſicht und begann ihren Sohn ſchon als verloren zu beklagen. Lucy wagte ich gar nicht anzuſehen! Sie blieb aber nach dem erſten un⸗ willkürlichen Rufe ruhig und unbeweglich wie eine Bildſäule— zum Glück war ihr Geſicht ganz von mir abgewendet.
Da Drewett übrigens offenbar außer Faſſung war, ſo hielt ich für's Beſte, etwas zu erſinnen, das nicht nur ihm, ſondern auch Lucy's Etui von Nutzen wäre, denn dieſes ſtand in eben ſo großer Gefahr, als der junge Mann ſelbſt, oder vielleicht in noch größerer, wenn Letzterer hätte ſchwimmen können. Ich war eben auf dem Punkte, Drewett zum Fortfahren zu ermuntern— ich wollte dann das Spierenende bis über des Orpheus Hauptdeck reichen laſſen, worauf er leicht unter ſeine Bekannten herabſpringen konnte, als Neb, der ſich am Rad hatte ablöſen laſſen, mit einem Male neben mir ſtand.
„Er fallen das Schachtel, gewiß, Maſſer Mile,“ flüſterte mir der Neger zu;„er Bein beginnen ſchon zu wanken und er wunder⸗ voll ungeſchickt!“*
„Ich mochte um keinen Preis haben, daß dies geſchähe— weißt Du's zu hindern, Neb?“
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