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„Ich glaube und muß wohl glauben, daß Du zu viel Liebe und Dankbarkeit für meinen theuren Vater, zu viel Rückſicht für mich beſitzſt, um zu vergeſſen, daß Du und Nuprecht einſt als Brüder gelebt haben?“
„Grace hat hierüber bereits mein Verſprechen. Ich werde in dieſer Sache niemals den Lauf der Welt gegen Ruprecht einſchlagen.“
Ich hörte, wie Lucy unwillkührlich ſeufzte, als ob ſie mühſam nach Athem ränge, und als ich mich zu ihr wandte, ſah ich ihre ſüßen Augen mit einem unverkennbaren Ausdrucke von Dankbarkeit auf mein Antlitz geheftet.
„Ich hätte Dir daſſelbe Verſprechen geleiſtet, Lucy, und zwar rein um Deinetwillen. Es wäre zu viel, wenn Du trauren müßteſt um Deines Bruders—“
Ich mochte die Beleidigung nicht nennen, damit meine Gefühle mich nicht hinriſſen, einen zu ſtarken Ausdruck zu gebrauchen.
„Das iſt Alles, was ich verlange— Alles was ich wünſche, Miles. Dank Dir— Dank Dir, daß Du mir dieſe Verſicherung ſo willig gegeben haſt. Jetzt, da dieſe Laſt von meinem Herzen ge⸗ nommen iſt, bin ich bereit, offen mit Dir zu reden; hätte ich übri⸗ gens Grace geſehen——“
„Aengſtige Dich nicht mit Rückſichten um weibliches Zartge⸗ fühl— ich weiß Alles und will Dir nicht zu verbergen ſuchen, daß getäuſchte Liebe für Ruprecht meine Schweſter in ihren jetzigen Zuſtand verſetzt hat. Es wäre wohl nicht geſchehen, wenn eines von uns Beiden bei ihr geweſen wäre; ſo aber— allein an dieſem Ort vergraben, wie ſie war— iſt ihre verwundete Empfindung zu ſtark geworden für ein ſo zartes Weſen.—“
Es folgte eine minutenlange Pauſe, nachdem ich geendet hatte.
„Ich habe lange gefurchtet, daß ein ſolches Unheil uns be⸗ fallen würde,“ entgegnete Lucy mit leiſer, gemäßigter Stimme. „Ich glaube, Du kannſt Grace nicht ſo gut wie ich verſtehen, Miles. Ihr Gemüth, ihre Gefühle üben auf ihren Körper einen


