24
„Ich, Ruprecht? Ich bin eben ſo wenig mein eigener Herr als Du es biſt. Ich bin Deines Vaters Mündel, muß es noch länger als fünf Jahre bleiben und als ſolcher ſtehe ich, eben ſo wie Du unter ſeiner Leitung.“
Ruprecht lachte mich aus und ſuchte mich zu überreden, daß es gar nicht ſo übel wäre, wenn ich ſeinem würdigen Vater alle Verantwortlichkeit in der Sache abnähme und— falls ich ent⸗ ſchloſſen ſey, nie nach Yale zu gehen, noch Advokat zu werden— heimlich auf die See ginge, um erſt wieder zurückzukehren, nach⸗ dem man mich in die Marine aufgenommen hätte.„Wolle ich mich überhaupt dem Seedienſte widmen, ſo ſey,“ meinte er,„keine Zeit zu verlieren, denn Alle, mit denen er noch davon geſprochen, hätten verſichert, daß man ſich am Beſten zwiſchen dem ſechzehnten und zwanzigſten Jahre der Erlernung dieſes Dienſtes widme.“
Ich hielt eine ſolche Verſicherung nur für allzu gegründet und ſchied von meinem Freunde mit dem Verſprechen, die Sache bei der nächſten Gelegenheit weiter mit ihm zu beſprechen.
Ich kann mich kaum einer Beſchämung erwehren, indem ich ein⸗ geſtehe, daß Ruprechts argliſtige Sophismen meine Augen für den Unterſchied zwiſchen Recht und Unrecht beinahe verſchloſſen. War Mr. Hardinge wirklich durch meines Vaters Wünſche dazu ver⸗ bunden, mich für die Gerichtsſchranken zu erziehen und fühlte ich ſelbſt eine unüberwindliche Abneigung gegen dieſen Beruf, warum ſollte ich mir nicht lieber gleich jetzt das Recht nehmen, für mich ſelbſt zu entſcheiden und auf eine Weiſe zu handeln, durch welche der gute Mann ſeiner Verantwortlichkeit enthoben wurde?
So weit die Sache Mr. Hardinge anging, wurde es mir nicht ſchwer, zu einem Entſchluſſe zu gelangen: nur hatte die tiefe Ehr⸗ furcht, die ich vor den Wünſchen meines Vaters und beſonders vor denen meiner theuren Mutter hegte, in meinem Herzen gar ſtarke Wurzel geſchlagen und äußerte einen Einfluß auf mein Be⸗ nehmen, der nicht ſo leicht zu beſeitigen war. Ich beſchloß deßhalb,
———.—


