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Ich glaube, weder Eitelkeit, noch irgend ein anderes mit Selbſt⸗ liebe verwandtes Gefühl wird mich irre führen, wenn ich behaupte, daß es ſchwer geweſen ſeyn möchte, anderswo vier junge Leute an⸗ zutreffen, welche die Aufmerkſamkeit eines Vorübergehenden leichter auf ſich ziehen konnten, als wir vier, wie wir gegen das Ende des Jahres 1797 beiſammen waren. Ruprecht Hardinge glich ſeiner Mutter und hatte ein bildhübſches Geſicht, dazu äußerſt grazioͤſe Bewegungen. Er beſaß eine angeborene Feinheit des Weſens, welche er auch gehörig in's Licht zu ſtellen verſtand— verbunden mit einer Zungenfertigkeit und einer glücklichen Laune, welche ihn zu einem ſehr angenehmen, wenn auch nicht gerade ſonderlich be⸗ lehrenden Geſellſchafter machten.
Ich ſelbſt ſah nicht ganz übel aus, war aber gleichwohl von der auffallenden Schönheit meines jungen Lebensgefährten weit entfernt: an Mannhaftigkeit, Stärke und Thatkraft übertraf ich ihn weit, wie denn überhaupt wenige Jungen meines Alters zu treffen waren, welche mir's, nach meinem zwölften Jahre, in männlichen Eigenſchaften dieſer Art zuvorthaten. Mein Haar war dunkel⸗
kaſtanienbraun— an meinem ganzen Geſicht vielleicht das Einzige, was einem Fremden auffallen konnte, denn es hing mir in reichen Locken über Schläfe und Nacken hinab, bis die fleißige Anwendung der Scheere erſtere einigermaßen zur Botmäßigkeit brachte: ſie haben indeß ihre Schönheit nie ganz verloren und werden ſogar noch jetzt, da ſie ſchneeweiß geworden ſind, von Anderen bewundert.
Von uns Allen war aber meine Schweſter diejenige, deren äußere Erſcheinung am meiſten Aufſehen erregte. Ihr Geſicht, ein wahrer Spiegel des reinſten, lauterſten Gefühls, gehörte zu denen, über welche die Natur ſich zuweilen gefällt einen ganzen Zauber von Schönheit, Anmuth, Wahrheit und Empfindung auszugießen, wie man ihn gewöhnlich nur den Engeln zuſchreibt. Ihr Haar war heller als das meine, die Augen himmelblau, voll Sanftmuth und


