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Jahreszeit mit dem Smaragdſchimmer der glatten Berghaͤnge in den Schweizerthälern— wenigſtens ſoviel ich davon geleſen oder geträumt habe— recht wohl wetteifern konnte.
Clawbonny hatte ganz das Ausſehen, wie man es an dem Wohnſitze eines wohlhabenden Landbauers gewöhnt iſt, ohne jedoch die übertriebenen Anſprüche der neueren Zeit in ſich zu ver⸗ einigen. Das Wohnhaus zeigte von Außen einen Anſtrich kerniger Behaglichkeit, welchen die innere Einrichtung keineswegs Lügen ſtrafte. Die Gemächer waren zwar niedrig und auch nicht ſon⸗ derlich geräumig, dafür aber im Winter warm, im Sommer kühl, und das ganze Jahr hindurch bequem, anſtändig und äußerſt wohn⸗ lich. Beide Wohnzimmer, ſowie die Gänge und die beſſeren Schlaf⸗ gemächer, waren mit Teppichen belegt; in dem„großen“, mit Vorhäugen verſehenen„Wohnzimmer,“ wie wir's nannten— ſtand ſogar ein altmo⸗ diſches, mit Kattun überzogenes Kanapee, das hoch mit Kiſſen und Polſtern belegt war. Letzteres Gelaß bildete das beſte des ganzen Hau⸗ ſes, ohne übrigens den Namen„Beſuchzimmer“ zu führen, denn um das Jahr 1796, d. h. zu der Zeit, aus welcher ich die deutlichſten, lebhafteſten Erinnerungen von meiner Heimath, wie ſie damals war, übrig behalten habe, waren ſolche Prätenſionen unſerem ſtillen Thale noch ferne geblieben.
Das Wohnhaus war von Obſtgärten, Wieſen und Ackerfeldern umgeben; gleich ihm waren Scheunen, Ställe, Speicher und andere Oekonomiegebäude fölid von Stein gebaut und befanden ſich alle in trefflichem Zuſtande. Zu dem Gute, welches mein Vater in der beſten Ausſtattung und mit Geräthen aller Art aufs reichſte ver⸗ ſehen, ohne Schulden oder ſonſtige Laſten von ſeinem Großvater geerbt hatte, kam noch ein Vermögen von vierzehn bis fünfzehn⸗ tauſend Thalern, welches Erſterer aus dem Seedienſt zurückgebracht und gegen gute Hypotheken in der Graſſchaft angelegt hatte; ſieben und zwanzighundert Pfund Kapitalien hatte ihm meine Mutter zu⸗ gebracht, welche auf gleiche Weiſe verwendet wurden, ſo daß
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