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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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466 Geliebte! Du haſt eine Mutter einen Vater, denen Deine Zärtlichkeit gehört. Deine kindliche Pflicht gegen ſie wird Dich be⸗ glücken. Jetzt kann ich ſprechen, und Du ſollſt ſehen, wie ich Deinen Namen rechtfertigen will. Sie riß ſich aus den Armen des Geliebten, der ſie ſeiner Bande ungeachtet feſt umſchlungen hielt. Es wurde ihm ſchwerer, ihre zarte Geſtalt aus ſeinen Armen zu laſſen, als vom Leben zu ſcheiden. Jetzt ſchien der Kampf in Jacopo's Seele nun vorüber. Geduldig legte er ſein Haupt auf den Block, vor welchem er kniete, und ſeine gefalteten Hände ließen vermuthen, daß er für ſie betete, die ihn eben verlaſſen hatte. Gelſomina aber, mit beiden Händen ihr Haar von der blendend reinen Stirn nach den Seiten ſtreichend, trat zu den Fiſchern, welche ſie an den rothen Mützen und nackten Beinen erkannte. Sie lächelte, wie man ſich denken kann, daß Selige lächeln in ihrer Liebe. Venetianer, ſagte ſie,ich kann Euch nicht tadeln. Ihr ſeyd hier, um Zeugen zu ſeyn vom Tode eines Mannes, der nach Eurer Meinung nicht zu leben verdient. Deſſen, der den alten Antonio gemordet hat, murmelte es durch den Haufen. Ja, des Mörders dieſes alten herrlichen Mannes. Aber wenn Ihr die Wahrheit hört, wenn Ihr erfahrt, daß Ihr den für einen Mörder haltet, der ein frommer Sohn geweſen iſt, ein treuer Diener der Republik, ein gewandter Gondolier, ein aufrichtiges Gemüth, ſo werdet Ihr Euer blutiges Vorhaben ändern, und nach Gerechtig⸗ keit Verlangen tragen.

Ein allgemeines Murren übertöͤnte ihre Stimme, die ſchon ſo zitternd und leiſe war, daß man nur bei der größten Stille ihre Worte vernehmen konnte. Der Karmeliter war an ihre Seite ge⸗ treten, und bat durch ein Zeichen angelegentlich um Stille.