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ſolch Ungeheuer iſt, als ſie aus ihm machen wollen. Ich weiß nicht, aus was für geheimen Gründen der Rath den jungen Mann zu einem Betruge bewogen hat, der beinahe ſo unglücklich geendet hätte; jetzt aber, da alles aufgeklärt iſt, haben wir nichts zu fürchten. Kommt, Vater! wir wollen den guten und gerechten Dogen zur Ruhe gehen laſſen, wie ſeinen Jahren zukommt, und wollen zurück⸗ gehen, Jacopo's Herz aufzuheitern durch die Nachricht von unſerm Erfolge, und wollen der gelobten Maria für ihre Gnade danken.“ „Halt!“ rief der Greis mit erſtickter Stimme.„Iſt es wahr, was Du mir geſagt haſt, Mädchen? Vater kann es ſo ſeyn?“ „Signor, ich habe alles wahrhaft geſagt, wie mein Gewiſſen mich trieb.“ Des Fürſten Auge ſchweifte wild von dem bewegungsloſen Mädchen zu dem gleichfalls unbewegten Mitgliede der Dreie hinüber. „Tritt hierher, Kind,“ ſagte er und ſeine Stimme zitterte, „tritt her, daß ich Dich ſegne.“ Gelſomina trat ſchnell vor und ließ ſich vor dem Herrn auf ihre Kniee nieder. Nie hatte Vater Anſelmo einen lauteren und glühenderen Segen geſprochen, als jetzt von den Lippen des Dogen von Venedig floß. Der Letztere hob ſodann die Tochter des Gefangenwäͤrters auf und bedeutete die beiden Gäſte, ſich zu entfernen. Gelſomina gehorchte gern, denn ihr Herz, voll Begierde ihren Erfolg mitzutheilen, war ſchon in Jacopo's Zelle; aber der Karmeliter warf noch einen zögernden Blick zurück, als ein Mann, der beſſer bekannt war mit den Wirkungen weltlicher Politik, wenn dieſe mit dem Intereſſe ſolcher Leute zuſammenhängt, welche die Herrſchaft zum Vortheil der Bevorrechteten anwenden. Im Hinausgehen aber ward ſeine Hoffnung neu belebt; denn er ſah den greiſen Fürſten, unfähig ſein Gefühl länger zurückzuhalten, mit ausgeſtreckten Armen, mit thränenerfüllten Augen, mit einem Blicke, in welchem ſich Verlangen nach der Freude menſchlichen Mitgefühls lebendig ausſprach, auf feinen ſchweigſamen Geſellſchafter zueilen.
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