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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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da ſie ſagten, Der, den ich als den guten Carlo gekannt hatte, würde in Venedig verfolgt als der verabſcheute Jacopo! Aber es iſt vorüber, gelobt ſey die Mutter Gottes!

Du biſt dieſem verurtheiſten Manne verlobt?

Gelſominas Wange ward nicht röther bei dieſer abſpringenden Frage, denn zu heilig für die gewöhnliche Schwäche ihres Geſchlechts war das Band geworden, welches ſie mit Jacopo vereinigte.

Ja, Hoheit. Wir hätten uns geheirathet, wenn es Gott und dieſen großen Senatoren, die ſo vielen Einfluß auf das Schickſal der Armen haben, gefallen hätte"

Und Du biſt noch jetzt, da Du den Mann kennſt, Willens, Dich einem Jacopo anzutrauen?

Weil ich ihn ſo kenne, wie er iſt, großer Doge, darum muß ich ihn ehren. Er hat dem Staate ſeine Zeit und ſeinen guten Ruf verkauft, um ſeinen gefangnen Vater zu retten, nnd darin ſeh' ich nichts Abſchreckendes für die, welche er liebt.

Die Sache bedarf der Erklärung, Karmeliter. Das Mädchen hat eine erhitzte Phantaſte und verwickelt, was ſie entwirren will.

Erlauchter Fürſt, ſie wollte ſagen, daß es der Republik ge⸗ nehm war, dem Sohne den Beſuch bei ſeinem Vater zu verſtatten und ihm Hoffnung zu deſſen Befreiung zu machen, unter der Bedingung, daß der junge Mann ſich zum Vortheil der Polizei für einen Bravo ausgab.

Und für dieſe unglaubliche Geſchichte bürgt Euch nichts, als das Wort eines verurtheilten Verbrechers?

Der vor ſeinen Augen nichts ſieht, als ſeinen Tod. Es gibt Mittel, die Wahrheit klar zu durchſchauen und ſie ſind Denen bekannt, welche oft ſterbenden Büßern beiſtehen, unbekannt aber den weltlichen Menſchen. Jedenfalls, Signor, iſt die Sache der Unterſuchung werth.

Darin haſt Du Recht. Iſt die Stunde zur Hinrichtung beſtimmt?