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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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Dieſen Charakter kann die Kunſt auch wohl einem Bravo beilegen. Aber wir verlieren die Zeit. Was haben die beiden Frontoni miteinander gemein?

Hoheit, ſie ſind Vater und Sohn. Als Jacopo ſo alt war, daß er das Unglück ſeiner Familie einſehen konnte, lag er den Senatoren mit Bitten für ſeinen Vater ſo lange an, daß ſie befahlen, man ſollte den Kerker deſſelben einem ſo frommen Sohne heimlich öffnen. Ich weiß wohl, daß die Regierenden nicht allwiſſend ſeyn können, ſonſt wäre ſolch Unrecht nie möglich geweſen. Aber Francesco blieb Jahre lang im Gefängniſſe, wo es Winters kalt und dunſtig und Sommers eine glühende Hitze iſt, bis herauskam, daß er falſch angeſchuldigt war. Da ließ man zu einigem Erſatz für die gar nicht verdienten Qualen Jacopo zu ihm.

Warum das, Mädchen?.

Hoheit, war es nicht aus Erbarmen? Sie verſprachen auch, daß die Dienſte des Sohnes zu ſeiner Zeit dem Vater die Freiheit erwerben ſollten. Die Patricier waren aber ſchwer zu überzeugen und machten Bedingungen mit dem armen Jacopo, und er ging darauf ein, ſich einem ſchweren Geſchäͤft zu unterziehn, damit nur ſein Vater noch einmal die freie Luft athmen möchte, vor ſeinem Tode.

Du ſprichſt in Raͤthſeln.

Ich bin nicht gewohnt, großer Doge, vor ſo vornehmen Herren zu reden, auch nicht über ſolche Sachen. Aber dieß weiß ich, daß Jacopo drei lange Jahre Zutritt hatte zu ſeines Vaters

Zelle, und daß dieß mit Erlaubniß der Obrigkeit geſchah; mein Vater würde es ſonſt nicht gelitten haben. Ich begleitete ihn immer bei dem frommen Gange und will die gelobte Jungfrau und alle Heiligen zu Zeu.

Mädchen, haſt Du gewußt, daß er ein Bravo iſt?

Ach, Hoheit, nein! Er ſchien mir immer ein pflichtliebender Sohn, der Gott fürchtete und ſeinen Vater ehrte. Ich möchte nie wieder ſolchen Schmerz empfinden, als mich damals durchſchauerte,