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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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nehme, zu unterſuchen, welche aber den Kerker des armen Francesco noch immer verſchloſſen hielten, als nach dem Tode und Bekennt⸗ niſſe ſeines Anklägers ſchon längſt ſeine Unſchuld erwieſen war.

Der Fürſt ſann nach, und ſodann fiel ihm ein, die Mienen ſeines Geſellſchafters zu Rathe zu ziehen. Der Marmor des Pfeilers, an den dieſer gelehnt ſtand, war nicht kälter und unbeweglicher, als das Geſicht des Inquiſitors. Der Mann hatte gelernt, vor den erkünſtelten Pflichten ſeines Amtes jede natürliche Regung ſchwinden zu laſſen.

Und was hat dieſe Sache des Francesco mit der Hinrichtung des Bravo zu thun, fragte der Doge nach einer Pauſe, während welcher er ſich vergeblich bemühte, die gleichgültige Miene ſeines Rathes anzunehmen.

Das zu beantworten, werde ich hier der Tochter des Gefäng⸗ nißwärters überlaſſen; tritt vor, Kind, und erzähle, was Du weißt. Gedenke daran, daß Du vor dem Dogen von Venedig redend,

zugleich vor dem Könige der Himmel ſteheſt.

Gelſomina zitterte. Wie ſie erzogen war, konnte ſie der Güte ihrer Sache ungeachtet, nicht leicht eine natürliche Scheu bekämpfen. Aber getreu ihrem Verſprechen und ermuthigt durch ihre Liebe zu dem Verurtheilten, trat ſie einen Schritt vor und verſteeckte ſich nicht länger hinter dem Gewande des Karmeliters.

Du biſt die Tochter des Gefangenwärters? fragte der Fürſt mit mildem Tone, obgleich Erſtaunen ſich in ſeinem Auge malte.

Hoheit, wir ſind arm und unglücklich. Wir dienen dem Staate um Brod.

Ihr dient einem edlen Herren, Kind. Weißt Du etwas von dieſem Bravo?

Hoher Herr, Die ihn ſo nennen, kennen ſein Herz nicht. Es

kann Keinen geben in Venedig, der gegen ſeine Freunde herzlicher, ſeinem Worte getreuer und den Heiligen ergebner wäre, als

Jacopo Frontoni.