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ſeine Geheimniſſe zu wiſſen ſchien. Als dieſer falſche Freund, welcher Zollverbrechen verübt hatte, ſich auf dem Punkte ſah, entdeckt zu werden, erſann er einen Betrug, durch welchen er ſelbſt entkam und auf ſeinen allzu vertrauensvollen Freund den Unwillen der Regierung lenkte. Francesco wurde zum Gefängniß unter den Bleidächern ver⸗ urtheilt, um ihn zum Geſtändniß von Thatſachen zu bringen, die nie geſchehen waren.“ „Das iſt ein hartes Geſchick, ehrwürdiger Mönch, wenn die Sache ſo erwieſen werden kann!“
„Großer Doge, das iſt das Uebel bei Geheimhaltung und In⸗ trigue in der Verwaltung der öffentlichen Angelegen—“
„Haſt Du noch mehr von dieſem Francesco zu ſagen, Mönch?“
„Seine Geſchichte iſt kurz, Signore. In der Lebenszeit, welche die meiſten Menſchen in Thätigkeit für ihr eignes Wohl verwenden, ſchmachtete er im Kerker.“
„Ich erinnere mich von einer ſolchen Anklage gehört zu haben— aber die Sache fiel während der Regierung des vorigen Dogen vor— nicht wahr, Vater?“
„Und hat faſt bis zum Ende der Regierung des jetzigen ge⸗ dauert, Hoheit.“
„Wie? Der Senat hat doch, von dem Mißgriff in Kenntniß geſetzt, ſein Unrecht ſchnell wieder gut gemacht!“
Der Mö8nch ſah den Fürſten ernſt an, als wollte er ſich Ge⸗ wißheit verſchaffen, ob das Erſtaunen, welches er wahrnahm, nicht ein hoher Grad von Verſtellung wäre. Er überzeugte ſich jedoch, daß die Sache zu denen gehörte, welche, wie ungerecht, grauſam und zerſtörend ſie auch für das Glück eines Einzelnen ſeyn mögen, doch nicht wichtig genug ſind, um vor Diejenigen gebracht zu wer⸗ den, welche an der Spitze einer Verwaltung ſtehen, die mehr ihr eignes Beſtehen als das Gemeinwohl in's Auge faßt. 5
„Signore Doge,“ ſagte er,„der Staat iſt behutſam, wo es ſeinen eignen guten Ruf gilt. Es ſind Gründe, die ich mir nicht heraus⸗
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