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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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ſolcher öffentlich und mit den üblichen Ehrenbezeugungen hereinge⸗ laſſen worden. 1

Man hat mir einen Beſuch ungewöhnlicher Art angekündigt, Signor! ſagte der Doge und ſtand auf, den Mann zu empfangen, den er aus Vorſicht gegen ſich ſelbſt herbeſchieden hatte.Ich wünſchte, daß Ihr Zeuge wäret von ihrem Begehren.

Es iſt gut, daß Ew. Hoheit uns Senatoren Antheil an Ihren Geſchäften vergönnt. Aber wenn der Irrthum, daß es durchaus ſo nöthig ſei, Euch bewegen ſollte, die Gegenwart eines Rathes zu verlangen, ſo oft Jemand den Palaſt beſucht 3

Ich weiß, Signor, unterbrach ihn der Fürſt mit ſanfter 3 Stimme und ſchellte.Ich hoffe, mein Begehren hat Euch nicht unangenehm geſtört. Da kommen aber ſchon, die ich erwarte.

Vater Anſelmo und Gelſomina traten mit einander in das 4 Gemach. Der Doge ſah auf den erſten Blick, daß ſie ihm gänzlich fremd waren. Er und das Mitglied des geheimen Rathes blickten einander an, und nahmen gegenſeitiges Erſtaunen wahr.

Dem Dogen gegenüberſtehend, warf der Karmeliter ſeine Kutte zurück und enthüllte dadurch ganz ſeine ascetiſchen Züge, während Gelſomina, aus Scheu vor dem hohen Range des Mannes, welcher. ſte empſteng, ſich ſchamhaft zurückzog und hinter dem Gewande des Möoöͤnchs ſich halb verſteckte. 1

Was bedeutet dieſer Beſuch, fragte der Fürſt, indem er auf das ängſtliche Mädchen deutete, während er den Mönch feſt anſah,

und dieſe ungewöhnliche Begleitung? Weder die Zeit, noch die. Art der Meldung iſt herkömmlich. Vater Anſelmo ſtand zum erſtenmal vor dem Oberhaupt von Venedig. Gewöhnt aber, wie alle ſeine Landsleute und mehr noch ſeine Altersgenoſſen, vorſichtig die Möglichkeit des Erfolges zu

berechnen, ehe er ſeinen Gedanken Worte zu geben wagte, heftete der Moͤnch erſt einen feſten Blick auf den Fragenden. Erlauchter Fürſt, ſagte er dann,wir kommen um