437 welche er, ſobald die Thür hinter ihm wieder verſchloſſen war, auf das Brettchen ſtellte, worauf des Gefangenen Brod und Waſſerkrug waren.
Jacopo empfing ſeinen Gaſt ruhig und mit der tiefen Ehr⸗ furcht eines der Kirche ergebenen Mannes. Er ſtand auf, bekreuzte ſich und ging ihm ſo weit zum Empfange entgegen, als die Ketten es erlaubten.
„Sey mir willkommen, Vater,“ ſprach er,„ich ſehe, daß die Rathsherren mich zwar von der Erde, aber doch aus dem Himmel nicht verdrängen wollen.“
„Das ginge über ihre Macht hinaus, mein Sohn. Der für ſie geſtorben iſt, hat auch für Dich ſein Blut vergoſſen, wofern Du ſeine Gnade nicht von Dir weiſeſt. Aber— der Himmel weiß, wie ungern ich ſo rede— ein Sünder, wie Du biſt, Jacopo, kann an keine Hoffnung denken, ohne eine tiefe und herzliche Reue.“
„Kann das irgend Jemand, Vater?“
Der Karmeliter ſtaunte, denn die Schärfe der Frage und der ruhige Ton des Sprechers waren von gewaltiger Wirkung bei einer ſolchen Zuſammenkunft.
„Jacopo, Du biſt nicht, wofür ich Dich hielt!“ erwiederte er. „Deine Seele iſt nicht ganz verfinſtert, und Du mußt trotz Deiner Verbrechen ein lebendiges Bewußtſeyn von deren Sündhaftigkeit in Dir tragen.“
„Das iſt, fürcht' ich, wahr, ehrwürdiger Mönch!“
„Ihr Gewicht muß Dir fühlbar ſeyn in der Bitterkeit des Schmerzens— in—⸗ Vater Anſelmo hielt inne, denn ein Schluchzen ließ ſich hören, welches bewies, daß ſie nicht allein waren. Der Möͤnch trat überraſcht ein wenig zur Seite, und die zitternde Gelſomina, welche durch die Gunſt der Schließer mit hereingekommen war, und ſich hinter dem Gewande des Karmeliters verſteckt hatte, wurde ſichtbar. Jacopo ſtöhnte, als er ſie erblickte, und lehnte ſich m ogewendeten Geſichte gegen die Mauer.


