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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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war. Dann gingen ſie in vollkommener Gewiſſensruhe nach Hauſe. Auch Signor Soranzo begab ſich nach ſeiner prächtigen und be⸗ glückten Wohnung. Zum Erſtenmal in ſeinem Leben betrat er ſie mit einem Mißtrauen in ſich ſelbſt. Ohne zu wiſſen wodurch, fühlte er ſich verſtimmt, denn der erſte Schritt war gethan auf jenem ver⸗ ſchlungenen und verderblichen Wege, der unfehlbar zur Vernichtung aller edlen und reinen Geſinnungen führt, und nur durch die So⸗ phiſtereien und Täuſchungen der Selbſtſucht unterhalten werden kann. Er trug Verlangen nach derſelben Freudigkeit ſeines Herzens, mit welcher er ſeiner ſchönlockigen Lebensgefährtin kurz zuvor in die Gondel geholfen hatte; aber ſein Kopf lag manche Stunde auf dem Kiſſen, ehe der Schlaf ſeinen Schleier zog über das feierliche Spiel mit den ernſteſten Pflichten, wobei er mitgewirkt hatte.

Neunundzwanzigſtes Kapitel.

Biſt Du nicht ſchuldig? Nein, wahrhaftig nicht! Rogers.

Am folgenden Morgen wurde Antonio beſtattet. Die Agenten der Polizei gebrauchten die Vorſicht in der Stadt auszubreiten, daß der Senat dieſe Ehre dem Andenken des alten Fiſchers erweiſe wegen ſeines Sieges in der Regatta und als eine Art von Erſatz für ſeinen unverſchuldeten und geheimnißvollen Tod. Alle Lagunen⸗ männer verſammelten ſich zur feſtgeſetzten Stunde auf dem Platze, in anſtändiger Kleidung, ſich geſchmeichelt fühlend durch die ihrem Stande erwieſene Ehre und mehr als zur Hälfte geneigt, allen früheren Groll vor der gegenwärtigen Gunſt zu vergeſſen. So leicht wird es Denen, welche durch die Geburt oder das mittelſt künſtlicher Organiſation herbeigeführte Vorurtheil höher, als ihre Mitmenſchen geſtellt ſind, ſo leicht wird es ihnen, durch ein wenig Herablaſſung ihr wirkliches Unrecht vergeſſen zu machen.