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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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Noch immer wurden vor dem Altar des heiligen Marcus Meſſen geleſen für die Seele des alten Antonio. Voran war unter den Prieſtern der gute Karmeliter, welcher nicht an Müdigkeit noch Hunger dachte, in der frommen Begierde, die Dienſte der Kirche zum Beſten eines Mannes zu verrichten, von deſſen Schickſal man faſt ſagen kann, daß er Augenzeuge geweſen. Doch blieb ſein Eifer in dieſem Augenblicke der Aufregung Aller unbemerkt, nur nicht Denen, deren Geſchäft es war, jedes auffallendere Benehmen, jeden ungewöhnlichen Umſtand argwöoͤhniſch zu belauern. Als der Kar⸗ meliter ſich endlich vom Altare entfernte, kurz ehe die Leiche weg⸗ getragen wurde, fühlte er ſich leiſe am Aermel ſeines Kleides fort⸗ gezogen. Er folgte der Bewegung und befand ſich alsbald zwiſchen den Säulen der dunklen Kirche einſam einem Fremden gegenüber.

Vater, Du haſt manchem Sterbenden die Abſolution ertheilt! ſagte der andere mehr mit zuverſichtlichem, als mit fragendem Tone.

Es iſt die Pflicht meines heiligen Amtes, mein Sohn.

Der Staat wird Deine Dienſte anerkennen. Man wird Deiner bedürfen, ſobald die Leiche dieſes Fiſchers beerdigt iſt.

Der Mönch ſchauderte, aber ſich verbeugend, ſenkte er ſein bleiches Geſicht zum Zeichen, daß er bereit ſey, ſeine Pflicht zu er⸗ füllen. In dieſem Augenblicke ward der Leichnam aufgehoben, und die Proceſſion begab ſich hinaus auf die Piazza. Zuerſt gingen, wie gewöhnlich, die Laienbrüder der Kathedrale. Dann folgten die⸗ jenigen, welche die erforderlichen Gebete abſangen. Unter ihnen nahm der Karmeliter eilig ſeinen Platz. Hierauf kam die Leiche, aber nicht in einem Sarge, denn dieſen Luxus bei der Beerdigung kennen auch die heutigen Italiener aus dem Stande des alten An⸗ tonio noch nicht. Die Leiche war mit den Feiertagskleidern eines Fiſchers angethan; Hände und Füße waren nackt; ein Kreuz lag auf der Bruſt; die grauen Haare flatterten im Winde; und das Geſpenſtige des Todes ward furchtbar gehoben durch einen an den

Mun gelegten Blumenſtrauß. Die Bahre war reich an Vergoldung

Der Bravo. 28