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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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„Vater!“ wiederholte er lauter.

Das Athmen wurde hörbarer; darauf ſprach der Gefangne:

„Die heilige Maria erhört mein Flehen,“ ſagte er mit ſchwacher Stimme.„Gott hat Dich mir geſchickt, mein Sohn, mir die Augen zuzudrücken.“

„Verläßt Dich Deine Kraft, Vater?“

„Sehr; mein Stündlein iſt gekommen— ich hatte gehofft, das Tageslicht wiederzuſehen, Deine theure Mutter und Schweſter zu ſegnen— Gottes Wille geſchehe!“

„Sie beten für uns Beide, Vater. Sie ſind nicht mehr in der Gewalt des Senates.“

„Jacopo— ich verſteh Dich nicht!“

„Meine Mutter und Schweſter ſind todt, ſind Heilige im Himmel, Vater!“

Der alte Mann ſtöhnte, denn die Bande der Erde waren noch nicht ganz gelöſt. Jacopo hörte ihn ein Gebet murmeln und kniete neben ſein Vett nieder.

„Das iſt ein plötzlicher Schlag!“ ſprach der alte Mann leiſe. „Nun, ſo ſcheiden wir zuſammen.“

„Sie ſind längſt todt, Vater.“

„Warum haſt Du mir das nicht früher geſagt, Jacopo?“

„Hatteſt Du nicht ohnehin des Grams genug? Jetzt, da Du im Begriff ſteheſt, zu ihnen zu gehen, wird es Dir Freude machen zu erfahren, daß ſie ſchon lange ſelig ſind.“

„Und Du, Du wirſt allein zurückbleiben— gieb mir Deine Hand— armer Jacopo.“

Der Bravo griff hin und faßte die ſchwache Hand ſeines Vaters. Sie war ſteif und kalt.

„Jacopo!“ fuhr der Gefangene fort, denn ſein Geiſt hielt noch den Körper,„ich habe dreimal ſeit einer Stunde gebetet— einmal für meine eigene Seele— einmal für den Frieden Deiner Mutter—

und endlich auch für Dich!“