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Der Weg der kleinen Proceſſion, welche ſich vom Zimmer des heimlichen Gerichts nach dem Sommeraufenthalt ſeiner Schlachtopfer begab, bezeichnete auf traurige Weiſe den Ort und die Regierung.
Er führte durch finſtre verdeckte Corridore, die dem uneinge⸗ weihten Auge verborgen waren, während nur dünne Wände ſie von den Zimmern des Dogen trennten, weiche gleich jenem äußern An⸗ ſtrich des ganzen Staates hinter Pracht und Glanz nichts als Nackt⸗ heit und Elend verſteckten. Als das Obergeſchoß erreicht war, blieb Jacopo ſtehen und redete ſeine Führer an:
„Wenn Ihr Menſchen ſeyd, von Gott geſchaffen, ſo nehmt mir, wenn auch nur für einen Augenblick, dieſe klingenden Ketten ab.“
Die Schließer ſahen überraſcht einander an, keiner wollte dies Liebeswerk über ſich nehmen.
„Ich will,“ fuhr der Gefangne fort,„vermuthlich zum letzten Mal, einen bettlägrigen oder auch ſchon ſterbenden Vater beſuchen, und er weiß nichts von meiner Lage; ſoll er mich in dieſem Zu⸗ ſtande ſehen?“
Maächtig mehr durch Ton und Geberde als durch Worte, ver⸗ fehlte dieſe Anrede ihre Wirkung nicht. Ein Schließer nahm ihm die Ketten ab und hieß ihn hineingehen. Mit vorſichtigem Tritt ging Jacopo, als die Thür geöffnet war, allein in das Zimmer, denn keiner nahm an der Zuſammenkunft eines gemeinen Bravo mit ſeinem Vater ſo vielen Antheil, daß er ſich deshalb hätte der brennen⸗ den Hitze dieſes Ortes ausſetzen ſollen. Hinter ihm ſchloß ſich die Thür, und das Gemach wurde dunkel.
Ungeachtet ſeiner angenommenen Feſtigkeit blieb Jacopo er⸗ ſchüttert ſtehen, als ſich ihm ſo plötzlich das ſtille Elend des un⸗ glücklichen Gefangnen veranſchaulichte. Ein ſchweres Athmen ließ ihm den Ort des Strohlagers errathen, denn die Mauern, welche auf der Seite des Corridors maſſiv waren, verhinderten das Ein⸗ dringen des Lichtes durchaus. 4
„Vater!“ ſagte Jacopo ſanft. Er erhielt keine Antwort.


