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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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aber in Venedig erlag die Heiterkeit der eigenthümlichen Regierungs⸗ form und der langen Gewöhnung des Volks an Argwohn und Mißtrauen aller Art. Es gab allerdings Zeiten und Orte, welche der Beweglichkeit der Jugend und dem Leichtſinn Gelegenheit boten, ſich auszulaſſen, und das nicht ſelten. Aber ſobald das Gelüſte des Augenblicks und der Hebel der Geſelligkeit aufhörten, nahm der Cha⸗ rakter der Venetianer ein ſo düſteres Weſen an wie ihre Stadt.

Während jenes lebendigen Treibens auf der Piazza San Marco, welches das vorige Kapitel geſchildert hat, lag der Ueber⸗ reſt der Stadt ſtill und einſam im Lichte des Mondes, der ſo hoch ſtand, daß ſein Schein zwiſchen die Häuſer fiel, und hier und da auch die Oberfläche des Waſſers flimmernd berührte; die Kuppeln und Thürme ruhten von ihm beglänzt in feierlicher Majeſtät. Zu⸗ weilen entfaltete ein Blick ſeines Lichtes auf die ſchweren Karnieſſe eines Palaſtes den merkwürdigſten Contraſt finſterer Einſamkeit von innen, und glänzend reicher Architektur des äußern Gebäudes. Zu einem von dieſen Edelſitzen erſten Ranges führt uns gegenwärtig unſre Erzählung.

Eine ſchwerfällige Pracht herrſchte in der Bauart des Hauſes. Der geräumige Flur war maſſiv gewölbt, die marmornen Stufen breit und ſchwer. Die Zimmer überraſchten durch Bildwerk und Vergoldung, und die Wände waren reichlich geſchmückt mit unzäͤh⸗ ligen Meiſterwerken der größten italieniſchen Künſtler. Der Ken⸗ ner konnte unter dieſen Denkmälern einer ſchöneren Zeit der Kunſt leicht den Pinſel eines Titian, eines Paul Veroneſe, eines Tinto⸗ retto, erkennen, jener Dreie, die mit Recht Venedigs Stolz ſind. Dieſen Gemälden ſchloſſen ſich andere an, von Bellino, Montegna und Palma Vecchio, Meiſter, die nur den berühmteren Coloriſten der venetianiſchen Schule nachſtanden. Da wo keine Gemälde hin⸗ gen, liefen große Spiegel über die Wände hin; die Vorhänge wa⸗ ren von Sammet und Seide, das ganze eine wahrhaft königliche Pracht. Die kühlen, ſchönen Moſaikfußböden von den koſtbarſten Der Bravo. 4