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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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und denen die geſchnitzten Thierköpfe umher den Namen der Löwen⸗ rachen gegeben haben. Er warf etwas in den gähnenden Marmor⸗ ſchlund hinab; die Entfernung und Dunkelheit der Galerie verhin⸗ derten Gino zu bemerken, was es war. Darauf aber ſah er die Geſtalt wie einen Schatten die maſſiven Stufen hinunter ſchweben.

Gino hatte ſich nach dem Bogen des Waſſerthores zurückge⸗ zogen und erwartete, daß der Fremde im Schatten deſſelben ſich zu ihm geſellen würde; er ſah aber, zu ſeiner großen Beſtürzung, die Geſtalt durch das äußere Portal des Palaſtes dem St. Marcus⸗ platz zueilen. Im Augenblicke jagte er mit athemloſer Eil ihm nach. Er erreichte die glänzende, munterbelebte Piazza, die gegen den düſtern Hofraum abſtach wie Tag gegen Nacht. Hier ſah er, wie ganz vergeblich eine weitere Verfolgung des Fremden ſeyn würde.

Doch, geängſtet durch den Verluſt des Siegelringes, warf ſich der

unvorſichtige, aber ehrliche Gondolier in die dichte Volksmenge und ſuchte umſonſt ſeinen Dieb aus tauſend Masken herauszufinden.

„Heda, Signore!“ murmelte er halbverſtört einem Manne zu, der ihn mißtrauiſch angeſehn hatte, und Luſt verrieth, ihn zu ver⸗ meiden,„wenn Deine Finger ſich nun hinlänglich an meines Herrn Siegelring ergötzt haben, ſo iſt Gelegenheit da, ihn zurückzuliefern.“

„Ich kenne Dich nicht,“ erwiederte eine Stimme, die Gino's Ohren ganz fremd war..

„Es iſt nicht wohlgethan einen, wie Ihr wißt, ſo mächtigen Herrn zu reizen,“ flüſterte er einem Andern zu, den er in Verdacht hatte.„Den Siegelring, wenn Dir's beliebt, und unſer Handel braucht nicht weiter zu gehen.“

„Wer ſich drauf einläßt, mit oder ohne ſolch Pfand, würde gut thun, ſtill zu ſchweigen.“

Der Gondolier wendete ſich einem Dritten zu:„Der Ning,“ ſagte er,„paßt zu Deiner Verkleidung nicht, lieber Freund! Wes⸗ halb willſt Du den Podeſta um ſolche Kleinigkeit bemühn?“