Druckschrift 
Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

der Menſch auch auf der Schwelle einer unabſehbaren und unge⸗ ahnten Zukunft ſorglos tändelt. 1

Da der Gondolier die Hoffnung ſeinen Mann unter dem Bo⸗ gen zu finden, getäuſcht ſah, ging er weiter; er ſchmeichelte ſich, ihn gar nicht mehr zu treffen, und das ermuthigte ihn, durch ein

lautes Hm! ſeine Gegenwart bemerklich zu machen. In dieſem Au⸗

genblick glitt von der Seite des Quais eine Geſtalt in den Hof und ging ſchnell bis in deſſen Mitte. Gino's Herz pochte heftig, aber er nahm ſich zuſammen und trat dem Fremden entgegen. Da zeigte

das Mondlicht, welches auch in dieſen düſtern Raum drang, daß der

Fremde ebenfalls maskirt war.

„San Teodoro und San Marco mögen Euch behüten,“ hob der Gondolier an.„Wenn ich mich nicht irre, ſeyd Ihr der Mann, den ich hier treffen ſoll.“*

Der Fremde ſtutzte, und ſchien anfangs ſich ſchnell davon ma⸗ chen zu wollen, beſann ſich aber plötzlich und entgegnete:

„Kann ſeyn, oder auch nicht. Nimm die Maske ab, daß ich ſehen kann, ob dem ſo iſt, wie Du ſagſt.“

„Mit Eurer gütigen Erlaubniß, würdiger und werther Herr, und wenn's Euch und meinem Herrn genehm iſt, möchte ich's vor⸗ ziohn, die Abendluft abzuhalten durch dies Stückchen Pappe und Seidenzeug,“

„Hier iſt Keiner, Dich zu verrathen, und wärſt Du nackt, wie Dich Gott geſchaffen hat. Wenn ich nicht weiß, wer Du biſt, wie ſoll ich Dir traun?“

„In der That, Signore, ich weiß wohl, was ein unmaskir⸗

tes Geſicht vermag, und drum bitt ich Euch ſelbſt, mir zu zeigen,

was die Natur an Eure Geſichtsbildung gewendet hat, denn ich, der ich Euch etwas anzuvertrauen habe, muß wiſſen, öb es an den rechten Mann kommt.“

„Das iſt gut und zeugt von Deiner Klugheit, doch hab' ich

nicht Luſt, meine Maske abzulegen, und da wenig Ausſicht iſt, daß