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Der Bravo : eine venetianische Geschichte / von James Fenimore Cooper. Aus dem Engl. von G. Friedenberg
Entstehung
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bänke geweſen, die nur bei der Ebbe ſichtbar waren, und überall hat man Pfähle einrammen müſſen, um die Laſt von Paläͤſten, Kir⸗ chen und öffentlichen Denkmälern zu tragen, die im Laufe der Zeiten den armen Sandhaufen aufgebürdet wurden.

Das vielfache Treiben in den Kanälen, und vielleicht auch Rück⸗ ſicht auf Erleichterung des Geſchäftsverkehrs, haben bewirkt, daß man bei weitem die meiſten Häuſer mit Zugängen von der Waſſer⸗ ſeite verſah, während die Htntergebäude mit den innern Straßen der Stadt in Verbindung ſtehen. Es iſt der Fehler der meiſten Beſchreibungen von Venedig, daß ſie von den Kanälen viel zu rühmen wiſſen, aber nichts melden von den ſtillen, engen, gepflaſterten, be⸗ quemen Straßen, welche alle Inſeln durchſchneiden, und mit ein⸗ ander durch zahlloſe Brücken zuſammenhängen. Man hört nie den Hufſchlag eines Pferdes oder das Rollen eines Rades in dieſen ſchmalen Gängen, aber ſie ſind dem Verkehr des gewöhnlichen Lebens förder⸗ licher als ſelbſt die Kanäle.

In eine von dieſen Straßen gelangte Gino, als er aus dem geheimen Gange trat, der zu dem Palaſt ſeines Herrn führte. Er machte ſich durch die hin⸗ und herziehende Menge Bahn, geſchickt wie ein Aal, der ſich durch die Wucherpflanzen der Lagunen ſchmiegt. Nickend nur beantwortete er die häufigen Grüße ſeiner Kameraden, und hemmte ſeinen ſchnellen Schritt erſt, als er, in einem Stadt⸗ viertel, welches Leute niederen Standes bewohnten, in die Thür einer niedrigen dunkeln Wohnung trat. Zwiſchen Fäſſern, Tauwerk und Wegwurf aller Art umhertappend, gelang es dem Gondolier eine innere verſteckte Thür zu finden, welche in ein kleines Zimmer führte, das ſein Tageslicht nur aus einer Art Spalt zwiſchen dieſem und dem Nachbarhauſe erhielt.

„Gebenedeite St. Anna! Biſt Du's, Gino Monaldi!“ rief eine lebhafte venetianiſche Dirne, in deren Ton und Geberde Ko⸗ ketterie und Erſtaunen ſich miſchten.„Zu Fuß und durch die ge⸗ heime Thür. Iſt dies eine Stunde zu Geſchaͤften Deiner Art?“