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Zweites Kapitel.
Schwammſt je in einer Gondel zu Venedig? Shakeſpeare.
Als Don Camillo Monforte in die Gondel getreten war, ſetzte er ſich nicht in den Pavillon derſelben. Einen Arm auf das Dach des Baldachins gelehnt, den Mantel nachläſſig über eine Schulter geworfen, ſtand der junge Edle in Gedanken vertieft, bis ſeine ge⸗ ſchickten Dienſtleute das Fahrzeug mitten aus der kleinen Flotte, die am Quai ſich drängte, losgewirrt und in's offne Waſſer gebracht hatten. Nach dieſem erſten Geſchäft griff Gino an ſeine Scharlach⸗ mütze und ſah ſeinen Herrn fragend an, des Befehls, nach welcher Richtung er rudern ſolle, gewärtig. Eine ſtillſchweigende Bewegung, welche auf den großen Kanal deutete, diente zur Antwort.
„Du ſetzeſt eine Ehre darin, Gino, Deine Geſchicklichkeit in der Regattas zu zeigen?“ bemerkte Don Camillo nach einer kleinen Weile.„Dies Streben verdient durch Erfolg belohnt zu werden. Du ſpracheſt da mit einem Fremden, als ich Dich zur Gondel rief?“
„Ich erkundigte mich, was es auf unſeren calabriſchen Höhen Neues gäbe bei Einem, der mit ſeiner Feluke in den Hafen kam, ob⸗ gleich er beim heiligen Januarius geſchworen hatte, daß ſeine vorige unglückliche Reiſe hieher die letzte ſeyn ſollte.“
„Wie nennt er ſeine Feluke und wie heißt der Padrone?“
„Das Schiff heißt la bella Sorrentina und wird von einem gewiſſen Stefano Milano, dem Sohn eines alten Dieners auf Sant' Agata kommandirt. Was die Schnelligkeit anbetrifft, iſt das Schiff keins der ſchlechteſten, und gilt auch für ziemlich ſchön. Es muß überdieß mit Glück geſegnet ſeyn, denn der gute Prieſter hatte es mit manch' andächtigem Gebet der heiligen Jungfrau und dem hei⸗ ligen Franciscus empfohlen.“
* Regatta, Wettfahren mit Gondeln.


