Tuneſen, ſagt man, wählen eine Diele ſo knorrig wie ihre eigenen Herzen, wenn's drauf ankommt, ſich am Jammer eines Chriſten zu erluſtigen.“
„Pah! der größte Glückspilz von uns allen muß es nehmen, wie es das Glück bringt. Sollen meine Sohlen durchaus geſtrichen werden, nun ſo wird der ehrliche Prieſter von Sant' Agata um ein Beichtkind geprellt ſeyn. Ich hab's abgemacht mit dem guten curato, daß alle ſolche unvorhergeſehene Leiden mit zählen ſollen in der Generalrechnung meiner Bußen. Aber wie ſteht's in Venedig?— und Du, was thuſt Du derzeit in den Kanälen, um die Blumen auf Deiner Jacke friſch zu erhalten?“
„Heut wie geſtern, und morgen wie heute. Ich rudre die Gondel vom Rialto zur Giudecca, vom San Giorgio zum San Marco, vom San Marco zum Lido, und vom Lido nach Hauſe. Auf dem Wege giebt's keine tuneſiſchen Kaper, die das Herz ſtarr machen und die Fußſohlen heiß.“
„Genug der Freundſchaft! Aber iſt nichts los in der Re⸗ publik? Kein junger Edler ertränkt, kein Jude gehängt?“ „Nichts das ich wüßte von Bedeutung— außer das Unglück,
das dem Pietro begegnet iſt. Du erinnerſt Dich noch des Pietrillo?
ddeer einſt mit Dir nach Dalmatien kreuzte als Supercargo, weil er u—nſt in Verdacht war, dem jungen Franken geholfen zu haben, der
mit einer Senatorstochter durchging.“
„Ob ich noch denk' an die letzte Hungersnoth? Der Spitz⸗ bube that nichts als Maccaroni freſſen und den lacrymae christi ſchlürfen, den der dalmatiſche Graf an Bord hatte.“
„Poverino! Seine Gondel ward von einem Anconaſchiff nieder⸗ gerannt. Das ging darüber weg wie ein Senator, der eine Fliege zertritt.“.
„Klein Fiſch muß nicht in tief Waſſer!“
„Der ehrliche Kerl fuhr über die Giudecca mit einem Fremden,
der gemeint war, ſein Gebet im Redentore zu verrichten. Da ſchoß
8
„


